Das Mittelmeer kämpft ums Überleben, denn Jahr für Jahr landen rund 500.000 Tonnen Plastikmüll in dem einst so artenreichen Binnenmeer. Besonders heimtückisch sind sogenannte Geisternetze – verlorene oder bewusst entsorgte Fischernetze, die selbst nach Jahren noch zur tödlichen Falle werden. Unsichtbar treiben sie durch das Wasser, verfangen sich an Riffen und Felsen und töten unaufhörlich Meeresschildkröten, Delfine, Haie und unzählige andere Meeresbewohner.
„Es gibt kaum einen Küstenabschnitt im Mittelmeer, an dem wir keine Geisternetze finden. Viele Tiere verenden darin langsam und qualvoll. Deshalb müssen wir alles daransetzen, diese Netze aus dem Meer zu holen“Axel HeinWWF-Meeresexperte
Doch die Gefahr endet nicht unter Wasser. Mit der Zeit zerfallen die Netze zu Mikroplastik, das über die Nahrungskette schließlich auch auf unseren Tellern landet. Was heute im Meer treibt, findet morgen seinen Weg in unsere Umwelt und in unseren Alltag.
Neue Tauchausbildung zur Bergung von Geisternetzen in Kroatien
Seit 2024 hat der WWF Österreich gemeinsam mit dem WWF Adria und Partnerorganisationen in Kroatien bereits vier Tonnen Geisternetze geborgen, darunter drei Tonnen besonders gefährlicher Kiemennetze und eine Tonne Reusen.
Eine neue Spezialausbildung für Taucher soll die Bergungskapazitäten nun zusätzlich erweitern. Sie umfasst den Umgang mit Spezialausrüstung sowie Notfallszenarien in Tiefen von bis zu 40 Metern. Ziel ist es noch bis Ende dieses Jahres zumindest acht Tonnen Geisternetze aus dem Meer zu entfernen.
Neben der neuen Tauchausbildung setzt der WWF auf präventive Angebote für lokale Fischer: „Wir ermöglichen es Fischern, ihre alten Netze gebührenfrei abzugeben, um zu verhindern, dass sie diese im Meer entsorgen. Zudem können sie uns melden, wenn sie ihre Netze unabsichtlich verlieren. Wir spüren sie dann wieder auf.”, sagt Axel Hein vom WWF.
Um die Vermüllung an der Wurzel zu bekämpfen und den enormen Druck der Fischerei auf die Meeresökosysteme zu verringern, fordert der WWF eine massive Ausweitung der Schutzgebiete im Mittelmeer. Derzeit stehen lediglich rund zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz. Vor allem die obere Adria, ein Hotspot der Artenvielfalt, leidet zunehmend unter Überfischung, Tourismus und Umweltverschmutzung und braucht dringend unsere Hilfe.