Sie krabbeln nachts aus Ritzen und kosten die Schlafenden: Bettwanzen schaffen es sogar in Berghütten auf über 1000 Metern. Wanderer bringen die Blutsauger unbemerkt mit – versteckt in Rucksäcken, Schlafsäcken oder Kleidung - und ist die Wanze erst im Haus, wird es schwierig.
Linus ist ein ausgebildeter "Wanzenspürhund". Im 1670 Meter hoch gelegenen Schneibsteinhaus im Nationalpark Berchtesgaden ist er zur jährlichen Wanzenprophylaxe unterwegs. Hunde können die Tiere in Verstecken aufspüren, wo der Hüttenwirt selbst bei akribischer Suche mit Stirnlampe nicht hinkommt.
Angeblich sind jedes Jahr etwa 15 bis 20 der rund 325 Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) betroffen – Tendenz steigend. Ein Grund dürfte der Trend zum Bergsport sein: 2024 gab es mehr als 900.000 Übernachtungen.
Sind erst einmal Wanzen im Haus, wird es teuer. Der Kammerjäger kostet an die 20.000 Euro – manchmal sogar bis zu 50.000 Euro. Der Hundeeinsatz schlägt mit etwa 500 bis 2000 Euro zu Buche, je nach Größe der Hütte.
Am Schneibsteinhaus hängen überall Hinweise auf das Wanzenproblem. Gäste werden gebeten, den Rucksack nicht ins Zimmer zu nehmen und den von der Hütte gestellten Schlafsack zu nutzen. "Nur wenn die Gäste das Problem kennen und mithelfen, kann es bekämpft werden", sagt Hüttenwirt Stefan Lienbacher.
Jede Hütte hat ihr eigenes Konzept. Am Rotwandhaus kommen Hüttenschlafsäcke beim Check-in in die Mikrowelle – 30 Sekunden bei 600 Watt machen den Krabbeltieren den Garaus. Andere Hütten setzen auf hellblaue Decken und weiße Bettlaken, um Spuren schneller zu erkennen.
Die Insekten in unserer Bildergalerie sind wiederum völlig harmlos:
Die gute Nachricht: Bettwanzen übertragen keine Krankheiten. Die Bisse können zwar stark jucken, sind aber nicht gefährlich. "Es ist einfach lästig", sagt Hüttenwirt Lienbacher. Ein Befall habe nichts mit Hygiene zu tun.
Wer aus dem Hüttenurlaub zurückkommt, sollte den Rucksack über der Badewanne ausleeren. Die Kleidung mit 60 Grad waschen oder drei Tage bei minus 18 Grad einfrieren. DAV-Sprecherin Miriam Roth betont: "Die Wanze ist kein Bergtier" – das Problem beginnt im Tal.