Der Tod einer jungen Wissenschaftlerin in einem sibirischen Labor hat international Besorgnis ausgelöst. Die Frau, die im Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten tätig war, starb laut russischen Angaben an einer Lungenentzündung unbekannter Herkunft.
Während Moskau weitere Informationen zurückhält, fordern internationale Organisationen Aufklärung.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, man habe Russland um detaillierte Auskünfte zum Verlauf der Erkrankung, dem möglichen Erreger und Berichten über einen zweiten betroffenen Mitarbeiter gebeten.
Auch die EU-Kommission forderte Moskau auf, zeitnah transparente Berichte vorzulegen und verlässliche epidemiologische Erkenntnisse zu liefern.
Wie der ORF berichtet, verlangt auch das US-Außenministerium von Russland eine rasche und umfassende Information. Das 'Wall Street Journal' zitiert US-Beamte, wonach die USA Russland gewarnt hätten, dass eine Geheimhaltung gegen internationale Gesundheitsvorschriften verstoßen würde.
Die 28-jährige Laborantin war am Freitag im Krankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk verstorben. Es wird vermutet, dass sie sich beim Zerbrechen eines Reagenzglases mit dem Pest-Erreger Yersinia pestis infiziert haben könnte.
Offiziell geben die russischen Behörden jedoch an, dass keine Hinweise auf Lungenpest gefunden wurden und die Todesursache eine Lungenentzündung unbekannter Herkunft sei.
Nach Angaben der lokalen Nachrichtenwebsite 'Menschen des Baikal' wurden rund 200 Kontaktpersonen der Verstorbenen isoliert. Berichten zufolge soll es in mehreren Spitälern der Region Irkutsk eine dreiwöchige Quarantäne geben. Offizielle Bestätigungen dazu fehlen jedoch.
Die russische Behörde Rospotrebnadsor erklärte, dass keine hochgefährlichen Erreger gefunden wurden und bei Kontaktpersonen bisher keine Pesterkrankungen festgestellt wurden. 60 Prozent der Betroffenen sind laut Angaben bereits wieder aus der Quarantäne entlassen worden.
Die WHO hat Russland technische Unterstützung angeboten und betont, dass ein transparenter Informationsaustausch notwendig sei, um Risiken für die öffentliche Gesundheit richtig einschätzen zu können. Der Kreml wies indes die Kritik an seiner Informationspolitik zurück und warf Medien die Verbreitung von Falschinformationen vor.
US-Präsident Donald Trump sieht aktuell keinen Hinweis auf einen Zusammenhang des Todesfalls mit einer Biowaffe. Er sagte: "Nun, das glauben wir nicht." Trotzdem kündigte er ein Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin an, das jedoch noch nicht stattgefunden hat. Die US-Gesundheitsbehörde CDC betont, dass der Fall einer Lungenpest nicht bestätigt sei, und beobachtet die Entwicklung weiterhin aufmerksam.
In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Spekulationen über eine mögliche Epidemie. Das Misstrauen gegenüber offiziellen russischen Angaben ist hoch, auch weil in der Vergangenheit Katastrophen wie Tschernobyl oder der Untergang des Atom-U-Bootes Kursk zunächst heruntergespielt wurden. Zusätzlich haben in diesem Jahr Seuchenvorfälle unter Nutztieren das Misstrauen in der Bevölkerung verstärkt.