Wenn du ein Baby zur Welt gebracht hast, musst du glücklich sein – das bekommen viele Neo-Mamas oft zu hören. Meist ist es auch so – aber eben nicht immer. Etwa 10 bis 15 Prozent der Frauen entwickeln eine postpartale Depression, die oft nicht rechtzeitig erkannt wird.
Auch Ludisis Mones (30) alias Mamá Ludi fühlte sich nach der Geburt ihres Sohnes Lorenzo (heute 5) ängstlich: "Ich brachte meinen Sohn während der Corona-Pandemie zur Welt. Ich war in einem neuen Land – ohne Familie, Freunde oder Kenntnis des Systems. Mein Mann stand mir bei, aber er musste viel arbeiten. Ich war viel allein, fühlte mich isoliert, überfordert und rutschte in eine postpartale Depression", erzählt die gebürtige Kubanerin im Gespräch mit "Heute".
In dieser schweren Zeit half der 30-Jährigen neben Medikamenten und einer professionellen Betreuung in der Klinik Ottakring vor allem eines – Tanzen: "Ich habe mich an meine Wurzeln, meine kulturelle Identität erinnert. Meine Oma hat immer gesagt: 'Egal, was ist – tanze!' Und das habe ich gemacht, mit Musik, Herz, Körper und Seele", berichtet Mones, die seit 2019 in Wien lebt.
Mit ihrem kleinen Sohn in der Trage tanzte sie daher im Schlosspark Schönbrunn: "Eine Frau hat mich gefragt: 'Was machst du da?' Und ich habe ihr gesagt: 'Ich tanze Salsa!'. Sie hatte Interesse, mitzutanzen und bald auch andere Frauen. Zuerst war es nur ein spontanes Treffen im Grätzl, aber dann haben mir die Frauen gesagt: 'Mach doch ein Projekt daraus'."
Vor rund 2,5 Jahren entstand daher "Mommylicious Dance" – ein Tanz-Programm speziell für Mütter im Wochenbett, in Karenz oder mit kleinen Kindern. Mittlerweile ist die Community auf rund 200 Frauen angewachsen: "Wir tanzen Salsa, Bachata, Merengue, Rumba, Cha-Cha-Cha und manchmal auch ein bisschen Tango – im Freien oder in geschützten Räumen. Die Babys sind in Tragen, auf Decken oder im Kinderwagen", berichtet Mones.
Rund 30 Minuten lang wird getanzt – aber nicht nur das: Die ausgebildete Yoga-Trainerin lässt auch Yoga-Elemente und Meditation in die Stunde (Kosten: 20 Euro) einfließen: "Mir ist relativ schnell klar geworden, dass Tanzen allein nicht reicht. Die Mamas brauchen mehr. Ich lasse mich derzeit zur Lebens- und Sozialberaterin ausbilden, damit ich die Mütter professionell begleiten kann", erklärt Mones.
„Über die mentale Gesundheit von Müttern muss viel mehr gesprochen werden“Ludisis MonesGründerin von "Mommylicious Dance"
Jeden Sommer organisiert die Zweifach-Mama – Sohn Leonardo ist 2 Jahre alt – auch fröhliche Flashmobs auf der Mariahilfer Straße oder in der Neubaugasse: "Wir wollen damit auf die mentale Gesundheit von Müttern aufmerksam machen – da muss viel mehr darüber gesprochen werden. Viele Mütter – vor allem Migrantinnen – suchen bei mir nicht nur Bewegung, sondern auch Halt, Information, Austausch und Orientierung", meint die 30-Jährige.
Gemeinsam mit anderen Mamas hat Mones daher im Jahr 2024 den Verein "The Mama Vida Club" gegründet – eine gemeinnützige Organisation von Müttern für Mütter: "Wir haben den Traum eines Community Centers, wo alle Frauen gleich sind. Jede Mutter soll gehört und gesehen werden."
Mones will daher nicht nur das Tanz-Programm anbieten, sondern auch Workshops, Unterstützung und mehrsprachige Beratung: "Unsere Vision ist, dass keine Mutter in Wien allein durch die Mutterschaft gehen muss!"