In Esslingen am Neckar (Deutschland) ist der Teufel los! Eine neue Bronze-Statue auf dem Rathausplatz sorgt für heftige Proteste. Der Streit um das Kunstwerk ist mittlerweile derart eskaliert, dass sogar Morddrohungen gegen Bürgermeister Matthias Klopfer (SPD) ausgesprochen wurden.
Die 2,50 Meter hohe und 400 Kilogramm schwere Bronze-Figur stammt vom Künstler Tim Bengel und ist rund 200.000 Euro wert. Sie zeigt den Teufel mit Hörnern, langer Zunge und einer Zwiebel in der Hand.
Hinter dem Kunstwerk steckt eine mittelalterliche Sage: Eine Marktfrau soll den Teufel einst überlistet haben, indem sie ihm statt eines Apfels eine Zwiebel gab. Seither werden die Esslinger auch "Zwieblinger" genannt.
Doch die Statue sorgt vor allem bei manchen Gläubigen für Empörung. Eine Nutzerin kritisiert, eine "Satansfigur auf dem Rathausplatz sei keine Bereicherung, sondern geschmacklos", wie SWR berichtet. Andere fordern, statt des Teufels lieber die Marktfrau als Denkmal aufzustellen. Eine Online-Petition zur Entfernung der Figur sammelte fast 6.000 Unterschriften.
Dann eskalierte die Situation: Unbekannte beschmierten den Teufel mit schwarzer Farbe, im Internet kam es zu Beleidigungen und sogar Morddrohungen. Die Polizei ermittelt, die Stadt schloss ihre Kommentarfunktion auf Instagram.
Trotz der Proteste bleibt die Statue stehen. "Keine Frage, die Statue bleibt stehen", erklärt Bürgermeister Klopfer. Das Kunstwerk war der Stadt von der Sektkellerei Kessler geschenkt worden und soll auch an das 1.250-jährige Stadtjubiläum 2027 erinnern.
Selbst die Kirche schaltet sich ein, allerdings auf der anderen Seite. "Wir Kirchen in Esslingen, katholisch oder evangelisch, fürchten uns nicht vor dem Teufel", stellt der evangelische Dekan Klaus-Peter Lüdke klar. Er verurteilt die Hetze gegen das Kunstwerk.
Künstler Tim Bengel zeigt sich über die heftigen Reaktionen verblüfft. Dabei habe er den Teufel bewusst nicht als Helden, sondern im Moment seiner Niederlage dargestellt. Während im Internet die Wogen hochgehen, bekommt er vor Ort überwiegend Lob.
Einen Gewinner hat der Teufels-Streit jedenfalls schon: Im örtlichen Souvenirgeschäft ist die Nachfrage nach Andenken mit Teufelsmotiven deutlich gestiegen.