Mitten in der Nacht reißen Hubschrauber-Geräusche Robert Wieland aus dem Schlaf. Der Obmann des Flugplatzes Mauterndorf wohnt direkt neben dem Gelände und geht sofort nach draußen. Da ist es bereits zu spät.
"Ich bin gegen 1.30 Uhr munter geworden, weil ich Hubschrauber-Geräusche gehört habe. Ich bin sofort raus, da ist mir der Helikopter schon vor der Nase weggeflogen", erzählt Wieland im Gespräch mit der "Kronen Zeitung".
Unbekannte hatten in der Nacht auf Montag einen Robinson R44 aus einem Holz-Hangar am Flugplatz gestohlen. Der Hubschrauber wurde von der Firma von Ex-Skispringer Thomas Morgenstern betrieben. Auch zwei Tage später gibt der Fall weiter Rätsel auf.
Wieland alarmierte nach dem nächtlichen Abflug sofort die Polizei, dachte zunächst allerdings nicht an einen Diebstahl. "So einen Diebstahl gab es in Österreich wohl noch nie", meint er gegenüber der Tageszeitung.
Der gestohlene Hubschrauber war erst am Sonntagabend wieder im Lungau abgestellt worden. Eigentümer Manuel Aster erklärt gegenüber der "Krone": "Zuvor war er im Lieser-Maltatal in Kärnten geparkt"
Erst danach bemerkte Wieland weitere Spuren am Flugplatz. Die Tankstelle war aufgebrochen worden, knapp 360 Liter Treibstoff fehlten.
"Die Seitentür vom Hangar war auch aufgebrochen, das habe ich am Anfang noch gar nicht bemerkt", sagt der Obmann zur "Krone". Für ihn deutet das Vorgehen auf eine vorbereitete Aktion hin: "Das war lange geplant und das Werk von Profis."
Vor dem Abflug wurden das Ortungssystem des Hubschraubers ausgebaut, die Absturzsender entfernt und der Transponder ausgeschaltet. Die Täter dürften dabei die mondhelle Nacht mit klarem Himmel genutzt haben.
Die Polizei sicherte am Flugplatz Spuren und führte erste Befragungen durch. Auch Anrainer Sepp Rausch hörte in der Nacht etwas. "Ich habe Geräusche gehört und zuerst gedacht, dass es ein Notfalleinsatz sein muss", sagt der passionierte Flieger der Tageszeitung.
Mehr als zwei Stunden nach dem Diebstahl wurde der Hubschrauber in Kroatien gesichtet. Laut Ermittlungen sollen die Täter über die Steiermark und Kärnten Richtung Süden geflogen sein.
Wieland wundert sich in der "Kronen Zeitung" über den Flug: "Ich stell mir schon die Frage, was dazwischen passiert ist und unsere Luftabwehr eigentlich macht."
Auch Eigentümer Aster fragt sich in der Tageszeitung: "Wie kann es sein, dass der Heli durch halb Europa fliegen kann und das nicht auffällt? So etwas hat es ja noch nie gegeben!"
Austro-Control-Sprecher Markus Pohanka erklärt gegenüber der "Krone": "Der Transponder war ausgeschaltet. Der Heli war nicht am Radar!"
Auch das Bundesheer beschäftigt sich mit dem Fall. Gerfried Promberger, Kommandant der Luftstreitkräfte, sagt: "Wir sind dabei, haben etwas gesehen. Die Ermittlungen laufen."
Ein Robinson R44 kann bis zu 800.000 Euro kosten. Wo sich der gestohlene Hubschrauber derzeit befindet, bleibt weiterhin offen.