Der Wiener Zentralfriedhof bekam zuletzt Hamsterinseln, um bedrohten Feldhamstern neuen Lebensraum zu bieten. Wie "Heute" berichtete, sollen die Friedhöfe der Stadt zunehmend auch als wertvolle Naturflächen genutzt werden.
Jetzt sorgt allerdings ein anderes Projekt für Aufregung: Am Friedhof Meidling wurden Fitnessgeräte aufgestellt. Während die Stadt damit zusätzliche Bewegungsangebote schaffen will, hagelt es Kritik von ÖVP und FPÖ.
Die Volkspartei sieht die besondere Funktion eines Friedhofs gefährdet. Gerade Angehörige würden dort Ruhe und einen würdevollen Ort zum Gedenken suchen: "Wer einen Friedhof besucht, erwartet einen Ort, an dem Abschied, Erinnerung und persönliche Trauer respektiert werden. Genau deshalb halte ich die Aufstellung von Fitnessgeräten an diesem Standort für höchst problematisch. Viele Menschen haben uns klar rückgemeldet, dass sie dafür kein Verständnis haben", betont ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayer.
Auch Friedhofssprecher Martin Flicker sieht die Entwicklung kritisch: "Friedhöfe sind besondere Orte in unserer Stadt. Dort geht es nicht um Aktivierung oder Bespielung, sondern um Pietät, Rücksicht und ein angemessenes Umfeld für Trauernde. Bewegung hat selbstverständlich ihren Wert, aber sie braucht den richtigen Ort. Hier ist diese Grenze aus unserer Sicht überschritten", so Flicker.
„Die Stadt hat mit diesem Projekt die Grenze des Anstands deutlich überschritten“Klemens ReschFPÖ-Stadtwerkesprecher
Noch schärfer fällt die Kritik der FPÖ aus. Dort spricht man von einer "Mucki-Bude" am Friedhof: "Ein Friedhof ist kein Fitnesspark und kein Freizeitgelände, sondern ein Ort des stillen Gedenkens. Wer hier Trainingsgeräte aufstellt, zeigt wenig Gespür für Pietät und die berechtigten Erwartungen der Friedhofsbesucher. Die Stadt hat mit diesem Projekt die Grenze des Anstands deutlich überschritten", kritisiert FPÖ-Stadtwerkesprecher Klemens Resch.
Auch der Meidlinger Gemeinderat Lukas Brucker berichtet von zahlreichen Beschwerden: "Viele Meidlinger haben sich bei uns gemeldet und ihr Unverständnis über dieses Projekt zum Ausdruck gebracht. Menschen besuchen den Friedhof, um ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Sie erwarten dort Ruhe, Respekt und Würde und keine Mucki-Bude in unmittelbarer Nähe der Grabstätten."
Für die Freiheitlichen ist die Sache klar. "Dieses verfehlte Projekt muss umgehend rückgängig gemacht werden. Die Fitnessgeräte haben auf einem Friedhof nichts verloren und sind unverzüglich zu entfernen", fordert Brucker.
Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich die Vorstellungen über die künftige Nutzung der Wiener Friedhöfe sind. Während die Stadt zuletzt verstärkt auf Naturschutz und zusätzliche Angebote setzte, sehen Kritiker die Gefahr, dass die eigentliche Funktion der Anlagen in den Hintergrund rückt.