Frauen können besser mehrere Dinge gleichzeitig erledigen - so lautet ein weitverbreitetes Klischee. Doch stimmt das wirklich? Ein Forschungsteam der Brunel University of London hat dies in einem aufwendigen Experiment untersucht.
78 Testpersonen mussten zehn Minuten lang fünf verschiedene Aufgaben bewältigen: Kochen, Telefonnummern suchen, Zahlen und Buchstaben zuordnen, Wörter überwachen - und dabei alle 20 Sekunden Fragen beantworten. Die Aufgaben waren auf drei Tische verteilt.
Das überraschende Ergebnis: In vier der fünf Aufgaben gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Anders sah es beim Gespräch aus. Frauen beantworteten im Schnitt 24,76 von 28 Fragen, Männer nur 20,24. Damit ließen Frauen nur 11,6 Prozent der Fragen unbeantwortet, bei den Männern waren es stolze 27,7 Prozent.
Besonders interessant: Wenn Männer eine Frage beantworteten, war die Qualität nicht schlechter als bei Frauen. Sie ließen einfach mehr Fragen unbeantwortet. Ob sie diese überhört haben oder bewusst ignorierten, ist unklar.
Außenstehende bewerteten Frauen dennoch in sechs von sieben Merkmalen positiver - sie wirkten kontrollierter, leistungsfähiger und aufmerksamer. Der Grund: Wer mehr Fragen beantwortete, wurde generell als kompetenter eingeschätzt. Das sichtbare Kommunikationsverhalten prägt offenbar den Gesamteindruck stark.
Die Forscher sehen darin einen möglichen Baustein für das hartnäckige Klischee, Frauen könnten besser multitasken. Denn in Wahrheit gibt es bei den meisten Aufgaben keine messbaren Unterschiede - nur beim gleichzeitigen Reden punkten Frauen deutlich.