Auf den ersten Blick haben Urs Kalecinski und Arda Saatçi nicht besonders viel gemeinsam. Der eine begeistert als Bodybuilding-Star mit einem Körper voller Muskeln, der andere bringt sich mit unglaublichen Ausdauerleistungen regelmäßig an seine körperlichen Grenzen.
Erst kürzlich bewältigte Arda rund 604 Kilometer durch das kalifornische Death Valley bis nach Santa Monica. Urs hingegen trainiert für Wettkämpfe, bei denen jedes einzelne Muskelpaket zählt.
Doch eines verbindet die beiden: Ohne die richtige Ernährung wären solche sportlichen Leistungen kaum möglich.
Wie unterschiedlich die Anforderungen tatsächlich sind, erklärt Daniel Margis, Senior Research & Innovation Scientist beim Sporternährungsunternehmen ESN, im Gespräch mit "Heute".
Wer Muskeln aufbauen möchte, kommt an Protein kaum vorbei. Besonders im professionellen Bodybuilding spielt der Nährstoff eine entscheidende Rolle. "Die Strategie ist universell, der Bedarf jedoch individuell", erklärt Margis.
Bei einem Wettkampfathleten vom Kaliber eines Urs Kalecinski sei eine konstant hohe Proteinzufuhr notwendig, um die Muskulatur bei einem sehr hohen Krafttrainingsvolumen optimal zu unterstützen.
Dabei komme es nicht nur auf die Gesamtmenge an, sondern auch auf die Verteilung über den Tag.
Für viele Kraftsportler seien etwa 1,6 bis 2,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich sinnvoll. Statt alles auf einmal zu essen, empfiehlt der Experte drei bis fünf proteinreiche Mahlzeiten.
Das sind allerdings allgemeine Richtwerte und keine Angaben zu Urs' persönlichem Ernährungsplan.
Beim Ultraläufer Arda Saatçi sieht die Sache ganz anders aus. Natürlich benötigt auch er Protein. Allerdings steht bei seinen extremen Belastungen vor allem der Erhalt der Muskulatur im Vordergrund. "Dieser Aspekt wird im Ausdauersport häufig unterschätzt", erklärt Margis.
Noch entscheidender ist bei langen Läufen die Energieversorgung.
Hier kommen Kohlenhydrate ins Spiel. Während sie bei manchen Diäten als Dickmacher gelten, sind sie für Ausdauersportler unverzichtbar. Gerade bei Athleten wie Arda seien Kohlenhydrate während der Belastung ein zentraler Energiefaktor, betont der Experte.
Wer intensiv trainiert, aber dauerhaft zu wenig davon zu sich nimmt, kann damit seine Trainingsqualität und Erholung beeinträchtigen.
Der große Unterschied liegt also im Trainingsziel.
Während Urs seinen Körper auf maximalen Muskelaufbau und die Anforderungen des Wettkampfbodybuildings vorbereitet, muss Arda seine Muskulatur über außergewöhnlich lange Belastungen hinweg erhalten und seinen Energiebedarf decken.
Doch müssen Hobbysportler nun ebenfalls ihre Ernährung minutiös planen? Nicht unbedingt.
Margis betont, dass die Grundlagen für alle ähnlich bleiben: ausreichend Energie, regelmäßige Proteinquellen, passende Kohlenhydrate und genügend Flüssigkeit.
Erst wenn diese Basis stimmt, können Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Ob Muskelberg oder Lauf-Maschine: Am Ende entscheidet nicht nur, wie hart jemand trainiert, sondern auch, wie gut der Körper dabei versorgt wird.