Es war wohl einer der seltsamsten Fälle der jüngeren Tiroler Kriminalgeschichte: Zuerst folgte eine Vermisstenanzeige, zwei Festnahmen, ein spätes Geständnis und zwei grausige Leichenfunde. Am Donnerstag erhob die Staatsanwaltschaft Innsbruck schließlich Anklage gegen einen 56-Jährigen und seinen Bruder (54) – "Heute" berichtete.
Jetzt nannte die Staatsanwaltschaft Details zum möglichen Motiv. Aber alles von Anfang an. Der Fall geht auf den Juli 2024 zurück. Damals schlug der in Deutschland wohnende Cousin einer aus Syrien stammenden 34-Jährigen Alarm. Er meldete die Frau, die eine Beziehung mit dem 56-Jährigen gehabt haben soll, als vermisst. Auch die zehnjährige Tochter der Vermissten war verschwunden.
Der Österreicher und sein Bruder gerieten ins Visier der Ermittler. Zunächst habe sich der Mann noch eine Geschichte ausgedacht, wonach die 34-Jährige mit ihrer Tochter untergetaucht sein soll – die Behörden zweifelten. Dies führte dazu, dass für beide Verdächtigen am 20. Juni 2025 die Handschellen klickten. Frau und Tochter blieben vorerst verschwunden. Indes bestritten die beiden Männer etwas damit zu tun zu haben.
Erst Monate später – im November 2025 – sagte der Hauptverdächtige, wo die Leichen der Mutter und der Tochter zu finden sind. Sie lagen in Kühltruhen hinter einer eigens dafür errichteten Rigipswand in der Wohnung seines Bruders in Innsbruck. Gleichzeitig betonte der 56-Jährige, dass er die tote Zehnjährige gefunden habe und der Tod der Mutter danach ein Unfall gewesen sei. An dieser Aussage hegt die Innsbrucker Staatsanwaltschaft ihre Zweifel.
Gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" betonte der Sprecher der Anklagebehörde, Hansjörg Mayr, dass die 34-Jährige zuerst getötet wurde, das Mädchen starb danach. Laut der Anklage soll der 56-Jährige die Frau am 21. Juli 2024 erstickt haben. Danach habe er auch die Tochter getötet. Aber warum mussten Mutter und Tochter sterben? Auch hier rückte die Staatsanwaltschaft mit Antworten heraus.
Der Sprecher sagte, dass sich der Mann von seiner Partnerin "zurückgewiesen sowie finanziell ausgenützt" gefühlt haben soll. Er habe sie "vielfach unterstützt" und habe sie "als undankbar" empfunden. Jedenfalls gehen die Behörden davon aus, dass der Österreicher und sein Bruder die Tat gemeinsam geplant haben.
So soll der Bruder bereits vier Tage zuvor einen Lagerraum angemietet haben. Auch eine große Tiefkühltruhe samt Kette und Vorhängeschloss soll der 54-Jährige drei Tage vor dem mutmaßlichen Doppelmord erworben haben. Einen Tag später habe er dann die zweite Tiefkühltruhe besorgt. Die Leichen samt Truhen seien dann vorerst in den Lagerraum gebracht worden. Später hätten sich die Männer dann dazu entschieden, die Leichen einzumauern.
Seitens der Staatsanwaltschaft wird den Verdächtigen allerdings nicht nur der Mord und das Verstecken der Leichen vorgeworfen. Demnach soll der 56-Jährige schon zuvor versucht haben, mit einem alten Smartphone der Frau eine Kreditkarte zu bestellen und auf das Konto der 34-Jährigen zuzugreifen. Nach der Tat sei dann das Geld des Opfers auf sein Konto geflossen. Zudem habe er den Goldschmuck des Opfers verkauft. Auch die Möbel, Sport- sowie Küchengeräte der Frau habe er online verscherbeln wollen.
Des Weiteren sei der Bruder des Mannes nur wenige Tage nach der Tat nach Salzburg gefahren. Dort habe er in einem Supermarkt mit der Bankomatkarte der Frau bezahlt. Dasselbe Spiel soll der 54-Jährige dann auch in Slowenien abgezogen haben.
Für die beiden Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Sie befinden sich schon seit längerem in Untersuchungshaft, die nunmehrige Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Einen Termin für die Verhandlung gibt es bislang ebenfalls nicht. Laut der Staatsanwaltschaft drohen den beiden Männern im Falle einer Verurteilung lange Haftstrafen. Der Strafrahmen beträgt zehn bis 20 Jahre Haft. Auch eine lebenslange Freiheitsstrafe steht im Raum.