Er schmeckt bitter

Mysteriöser Vogel lähmt mit stärkstem Nervengift

Ein Vogel mit Gift in den Federn? Den gibt es wirklich! Der Zweifarbenpitohui trägt ein starkes Nervengift, das auch Pfeilgiftfrösche nutzen.
20.10.2026, 16:26
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Ein hübscher Singvogel mit schwarzem Kopf und leuchtend orangefarbenem Gefieder – doch sein Äußeres täuscht! Der Zweifarbenpitohui gehört zu den wenigen bekannten giftigen Vogelarten der Welt. Das Tier lebt in den tropischen Regenwäldern Neuguineas und trägt ein extrem starkes Nervengift in Haut und Federn.

Besonders erstaunlich: Dieselbe Giftstoffgruppe findet sich auch bei einigen der gefährlichsten Pfeilgiftfrösche Südamerikas. Doch wie kommt ein Vogel überhaupt an dieses Gift?

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Gift steckt in Haut und Federn

Der Zweifarbenpitohui (Pitohui dichrous), auch Zweifarbenpirol genannt, wird etwa 22 bis 23 Zentimeter groß und wiegt zwischen 67 und 76 Gramm. Mit seinem schwarz-orangefarbenen Federkleid ist er ein auffälliger Bewohner der Regenwälder Neuguineas. Meist hält er sich in den Baumkronen auf.

Seine außergewöhnliche Eigenschaft wurde Anfang der 1990er-Jahre durch den US-Forscher Jack Dumbacher bekannt. Wie das Tiermagazin PETBOOK berichtet, entdeckte der Wissenschaftler, dass der Vogel eine starke Nervengiftverbindung aus der Gruppe der Batrachotoxine enthält.

Bei Untersuchungen wurden besonders hohe Giftkonzentrationen in der Haut und im Federkleid festgestellt. Auch in anderen Körpergeweben können geringere Mengen vorkommen.

Dieses Gift kann Nerven lahmlegen

Bei dem Gift handelt es sich unter anderem um Homobatrachotoxin, einen Stoff aus der Gruppe der Batrachotoxine. Diese Verbindungen zählen zu den besonders wirksamen natürlichen Nervengiften. Sie beeinflussen sogenannte Natriumkanäle in den Zellmembranen. Diese sind unter anderem dafür verantwortlich, dass Nerven elektrische Signale weiterleiten können.

Batrachotoxine verhindern, dass bestimmte Natriumkanäle wieder normal schließen. Dadurch wird die Signalübertragung gestört. In entsprechend hoher Dosis kann das zu Lähmungen, Herzrhythmusstörungen und lebensgefährlichen Vergiftungen führen. Die Giftstoffe sind auch von bestimmten Pfeilgiftfröschen bekannt.

Vogel holt sich Gift wahrscheinlich aus Käfern

Besonders faszinierend ist die Frage, woher der Zweifarbenpitohui seine giftigen Stoffe bekommt. Forscher gehen davon aus, dass er die Gifte nicht selbst produziert, sondern über die Nahrung aufnimmt und anschließend im Körper speichert.

Als mögliche Quelle gelten bestimmte Käfer der Gattung Choresine. Wissenschaftler konnten in diesen Insekten ebenfalls Batrachotoxin-Verbindungen nachweisen. Die Annahme: Frisst der Vogel solche Käfer, übernimmt er die giftigen Substanzen und lagert sie in seinem Körper ein.

Ein ähnliches Prinzip ist von Pfeilgiftfröschen bekannt, die bestimmte Giftstoffe ebenfalls aus ihrer Nahrung beziehen. Die genaue Herkunft sämtlicher Giftstoffe beim Zweifarbenpitohui ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.

Wie gefährlich ist der Vogel für Menschen?

Obwohl der Zweifarbenpitohui ein hochwirksames Nervengift enthält, bedeutet das nicht, dass jede Berührung lebensgefährlich ist. Auf unverletzter Haut stellt der Kontakt in der Regel keine unmittelbare tödliche Gefahr dar. Anders kann es aussehen, wenn die giftigen Stoffe mit empfindlichen Schleimhäuten oder offenen Verletzungen in Berührung kommen.

Berichte über den Kontakt mit giftigen Pitohui-Vögeln beschreiben unter anderem Kribbeln, Taubheitsgefühle und unangenehme Reizungen im Mundbereich. Der Vogel sollte deshalb nicht unnötig angefasst werden. Vom Verzehr wird ebenfalls abgeraten. Welche gesundheitlichen Folgen auftreten könnten, hängt unter anderem von der aufgenommenen Giftmenge ab.

Deshalb haben Fressfeinde wenig Freude an ihm

Für den Zweifarbenpitohui ist das Gift vor allem ein Schutzmechanismus. Wissenschaftler vermuten, dass die Substanzen Fressfeinde abschrecken und möglicherweise auch gegen Parasiten wirken. Dazu kommt der offenbar äußerst unangenehme Geschmack des Vogels.

In Neuguinea ist seit Langem bekannt, dass bestimmte Pitohui-Arten beim Kontakt mit dem Mund ein brennendes oder taubes Gefühl verursachen können. Das könnte erklären, warum diese Vögel von manchen Fressfeinden gemieden werden.

Auch das auffällige schwarz-orangefarbene Gefieder könnte als Warnsignal dienen. Ob es tatsächlich diese Funktion erfüllt, lässt sich aber nicht allein aus der Färbung ableiten.

Nicht der einzige giftige Vogel

So ungewöhnlich der Zweifarbenpitohui auch ist: Er ist nicht der einzige Vogel mit giftigen Eigenschaften. Auch bei anderen Arten aus Neuguinea, darunter dem Blaukappenflöter (Ifrita kowaldi), wurden entsprechende Nervengifte nachgewiesen.

Im Tierreich ist diese Form der chemischen Verteidigung bei Vögeln dennoch ausgesprochen selten. Der Zweifarbenpitohui zeigt damit eindrucksvoll, dass nicht nur Schlangen, Frösche oder Spinnen über gefährliche Giftstoffe verfügen.

Manchmal steckt das Gift sogar in den Federn eines scheinbar ganz gewöhnlichen Singvogels.

red, 20.10.2026, 16:26
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