Unser Wasserschatz schwindet

Diese Bundesländer sind am schlimmsten betroffen

Alarm um Österreichs Grundwasser! An 36 Messstellen wurden historische Tiefstände erreicht. Greenpeace warnt vor einer Verschärfung im Winter.
20.10.2026, 10:51
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Österreichs Wasserreserven schrumpfen! Nach einem außergewöhnlich trockenen Jahr schlägt die Umweltschutzorganisation Greenpeace Alarm.

Eine neue Auswertung von 227 Grundwasser-Messstellen zeigt: An 36 Standorten ist der Wasserstand so niedrig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. An rund der Hälfte der untersuchten Messstellen wurde zumindest ein neuer Negativrekord für Mitte Oktober erreicht.

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Besonders betroffen sind die Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich. Greenpeace warnt nun vor einer weiteren Verschärfung, sollte auch der kommende Winter zu wenig Regen und Schnee bringen.

36 Messstellen erreichen historischen Tiefstand

Für die Analyse untersuchte Greenpeace die verfügbaren Messreihen von 227 österreichischen Grundwasser-Messstellen. Stichtag war der 14. Oktober 2026. Das Ergebnis: 36 Messstellen, also rund 16 Prozent, verzeichneten einen absoluten Tiefstand. Dort wurde zu keinem Zeitpunkt der jeweiligen Messgeschichte ein niedrigerer Wert gemessen.

Noch größer ist das Problem beim Vergleich mit früheren Oktoberwerten. Rund die Hälfte der untersuchten Pegel liegt so niedrig wie Mitte Oktober noch nie. Laut Greenpeace weisen sogar rund 90 Prozent der untersuchten Messstellen derzeit niedrige Grundwasserstände auf.

Die Organisation führt die Entwicklung insbesondere auf die anhaltende Trockenheit zurück. Abgesehen vom Februar habe es heuer in jedem Monat zu wenig Regen und Schnee gegeben.

Diese Bundesländer sind besonders betroffen

Die meisten absoluten Negativrekorde wurden in drei Bundesländern festgestellt: In der Steiermark erreichten neun der 34 untersuchten Messstellen historische Tiefstwerte. Betroffen sind unter anderem Kroisbach, Kaindorf, Blumau, Gröbming und Admont.

In Oberösterreich wurden acht Rekordtiefs registriert, darunter in Lengau, Ried im Traunkreis und Weyer. In Niederösterreich waren sieben Messstellen betroffen, etwa in Wolfsthal, Pöggstall und Laa an der Thaya.

Jeweils vier absolute Tiefstände meldet die Auswertung für Salzburg und das Burgenland. In Tirol und Vorarlberg sind es jeweils zwei. Kärnten verzeichnet zwar an rund einem Drittel der Messstellen einen neuen Tiefstand für Mitte Oktober, aber keinen absoluten Negativrekord. Auch in Wien wurde keiner festgestellt.

"Eine echte Krise für unseren Wasserschatz"

Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace Österreich, zeigt sich angesichts der Zahlen besorgt. "Dieses Jahr ist für unser Grundwasser bisher die reinste Durststrecke und Entspannung ist keine in Sicht."

Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei schlägt Alarm: Rund die Hälfte der Grundwasserpegel immerhin so niedrig wie Mitte Oktober noch nie.
Greenpeace / Mitja Kobal

Besonders problematisch sei die Ausgangslage für die kommenden Wintermonate. "Wir werden mit stark geschrumpften Wasserreserven in den Winter starten – im Vergleich zum Vorjahr eine besorgniserregende Ausgangslage."

Der Experte warnt vor allem davor, dass eine neuerliche trockene Wintersaison die Situation weiter verschärfen könnte. "Sollten Schnee und Regen auch diesen Winter großflächig ausbleiben, droht eine echte Krise für unseren Wasserschatz."

Eine akute flächendeckende Trinkwasserknappheit lässt sich aus den Messergebnissen allein allerdings nicht ableiten. Die Daten zeigen zunächst die Entwicklung der Grundwasserstände an den untersuchten Standorten.

Greenpeace fordert Maßnahmen von Minister

Die Umweltschutzorganisation nimmt nun Wasserminister Norbert Totschnig (ÖVP) in die Pflicht. Konkret fordert Greenpeace, das geplante Wasserentnahme-Register deutlich schneller einzuführen. Damit soll transparenter werden, wie viel Wasser insbesondere große industrielle Verbraucher entnehmen.

Der derzeit vorgesehene Vollausbau bis 2032 kommt der Organisation zu spät. Sie fordert eine vollständige Einführung bereits ab 2029. Zusätzlich soll Österreich eine umfassende nationale Wasserstrategie erhalten, die neben der Trinkwasserversorgung auch den Verbrauch durch Industrie und Landwirtschaft berücksichtigt.

Industrie soll fürs Grundwasser zahlen

Eine weitere Greenpeace-Forderung betrifft große Wasserverbraucher aus der Industrie. Sie sollen künftig eine Abgabe von zehn Cent pro entnommenem Kubikmeter Grundwasser bezahlen. Nach Berechnungen der Organisation könnten dadurch jährlich mehr als 30 Millionen Euro zusammenkommen. Das Geld soll zweckgebunden in die Absicherung der Trinkwasserversorgung investiert werden.

Darüber hinaus spricht sich Greenpeace für zusätzliche Renaturierungsprojekte an Flüssen aus. Wiederhergestellte Überflutungsflächen könnten bei Hochwasser mehr Wasser zurückhalten und so zur Neubildung von Grundwasser beitragen.

Entscheidend wird auch der Winter

Für Greenpeace steht fest, dass Österreich trotz seines grundsätzlich großen Wasserreichtums besser auf längere Trockenperioden vorbereitet werden muss. Der Klimawandel könnte laut dem Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht künftig häufigere und intensivere Dürreperioden mit sich bringen.

Damit wächst auch die Bedeutung der kommenden Monate. Regen und Schneefall im Winter sind wichtig für die Auffüllung der Wasserreserven.

Ob sich die Lage über den Winter tatsächlich entspannt oder weiter verschärft, ist derzeit offen. Die aktuellen Negativrekorde zeigen jedoch, wie angespannt die Ausgangslage nach dem Dürrejahr 2026 bereits ist.

red, 20.10.2026, 10:51