Der Grüne See bei Tragöß-St. Katharein bietet derzeit ein außergewöhnliches Bild. Wo sich normalerweise das berühmte glasklare Wasser ausbreitet, ist aktuell eine weitläufige Schotterfläche zu sehen. Ende September ist der See komplett ausgetrocknet.
Zwar sinkt der Wasserstand des Naturjuwels im Laufe des Sommers und Herbsts jedes Jahr deutlich. Dass der See zu diesem Zeitpunkt aber überhaupt kein Wasser mehr führt, ist ungewöhnlich.
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, bestätigt das auch Hubert Zinner, Bürgermeister von Tragöß-St. Katharein. Der ausbleibende Niederschlag mache sich deutlich bemerkbar.
Probleme zeichneten sich bereits wesentlich früher ab. Ausgerechnet im Frühsommer, wenn der Grüne See normalerweise seinen höchsten Wasserstand erreicht, war er nur zu etwa einem Drittel gefüllt.
"Er stand ungefähr bei drei Metern", erklärt Zinner. Unter besonders günstigen Bedingungen kann der See laut den Informationen der Tourismusregion im Mai und Juni hingegen bis zu elf Meter tief werden.
Grund für das besondere Naturschauspiel ist die Schneeschmelze in den umliegenden Bergen. Im Frühjahr strömt glasklares Quellwasser in das Becken und sorgt für die charakteristische smaragdgrüne Farbe. Im Laufe des Sommers verschwindet das Wasser anschließend wieder nach und nach.
Dass das Gestein der Region tief verkarstet ist, setzt dem beliebten Ausflugsziel noch zusätzlich zu: "Wenn es nicht regnet, versiegt der See", erklärt ein Vertreter der zuständigen Zentral-Wasserversorgung Hochschwab Süd (ZWHS) die Gegebenheiten.
Wie der Grüne See im kommenden Frühjahr aussehen wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Entscheidend ist, wie viel Schnee im Winter fällt und wie ergiebig die anschließende Schneeschmelze ausfällt.
Bereits bei einer früheren Austrocknung war der See nach einem schneearmen Winter vollständig verschwunden – es war das erste Mal in mehr als 60 Jahren. Erst im Mai kehrte das Wasser langsam zurück.
"Aufgrund des menschengemachten Klimawandels rechnen wir mit weiter steigender Verdunstung und einer größeren Volatilität des Niederschlags", prognostizierte Marc Olefs, Leiter des Departments Klima-Folgen-Forschung der GeoSphere Austria, beim letzten Trockenfall des Grünen Sees.
Der auf 776 Metern Seehöhe gelegene Grüne See gehört zu den bekanntesten Naturattraktionen der Steiermark. 2014 wurde er in der ORF-Sendung "9 Plätze – 9 Schätze" zum schönsten Platz Österreichs gewählt.