Ein Klimaphänomen bringt derzeit ganze Weltregionen ins Wanken: Der aktuelle El Niño dürfte alle seit rund 150 Jahren dokumentierten Ereignisse übertreffen – wird zu Recht bereits als Monster bezeichnet und mit Godzilla gleichgesetzt. Die Folgen sind bereits auf mehreren Kontinenten sichtbar – von Perus Küste über Indonesien bis zum Panamakanal.
Besonders hart trifft es die Fischerei vor Peru. Dort sorgt normalerweise der Humboldtstrom für kaltes, nährstoffreiches Wasser. Genau darauf basiert eine der wichtigsten Fischereien der Welt: die Peruanische Sardelle, auch Anchoveta genannt. 2024 holten Perus Flotten noch gut fünf Millionen Tonnen aus dem Meer.
Heuer ist davon wenig übrig. Die erste Fangsaison in der Nord-Zentral-Zone wurde am 20. August beendet. Die Quote lag schon zu Beginn mit 1,9 Millionen Tonnen auf dem niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Anfang Juni waren erst 470.000 Tonnen gefangen – knapp ein Viertel der erlaubten Menge. Die industrielle Anchoveta-Fischerei sei gegenüber 2025 um mehr als 80 Prozent eingebrochen, rund 250.000 Jobs könnten betroffen sein, berichtet der "Standard".
Der Grund liegt im ungewöhnlich warmen Wasser vor der Küste. Warmes Wasser bedeutet dort weniger Nährstoffe – und damit schlechte Bedingungen für die Fische. In der wichtigen Referenzregion Niño 3.4 lag die Meeresoberflächentemperatur im August um 1,8 Grad über dem Durchschnitt.
Auch das US-Klimavorhersagezentrum CPC rechnet mit einem sehr starken Ereignis im Nordwinter. Die Weltorganisation für Meteorologie geht davon aus, dass die Warmphase mindestens bis Februar anhält. In manchen Teilen des Pazifiks ist das oberflächennahe Wasser derzeit sogar bis zu acht Grad wärmer als üblich.
Während vor Südamerika das Meer zu warm ist, fehlt am anderen Ende des Pazifiks der Regen. In Indonesien blieb es etwa in Pontianak auf Borneo über zwei Monate lang trocken. Mindestens 200.000 Hektar Wald sind heuer bereits Bränden zum Opfer gefallen – der August ist in dieser Bilanz noch nicht enthalten.
Besonders gefährlich sind Feuer in entwässerten Torfböden. Sie können unter der Erde weiterglimmen, selbst wenn an der Oberfläche kaum noch Flammen zu sehen sind. Der Rauch zog mehr als tausend Kilometer weit bis auf die Philippinen. "Die Bedingungen sind 2026 tatsächlich schlimmer als 2015", sagte Andri Susanto von der indonesischen Feuerwehrtruppe Manggala Agni gegenüber ABC News.
Auch der Welthandel bekommt die Folgen zu spüren. In Mittelamerika sorgt Trockenheit für Probleme am Panamakanal. Seit Anfang September dürfen nur noch neun große Schiffe pro Tag durch die Schleusen. Der maximale Tiefgang wurde gesenkt und soll ab 1. Oktober weiter reduziert werden. Grund ist zu wenig Regen im Einzugsgebiet des Gatúnsees.
Noch härter trifft El Niño jene Menschen, die direkt von Ernten abhängig sind. Das Welternährungsprogramm rechnet damit, dass durch das aktuelle Ereignis 49 Millionen Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten. Betroffen sind vor allem Mittelamerika sowie das östliche und südliche Afrika. Viele Folgen werden erst 2027 vollständig sichtbar.
Für Österreich und den Alpenraum ist El Niño kein direkter Hauptfaktor. "El Niño ist kein wesentlicher Treiber des Wetters in Österreich und im Alpenraum", sagt Marc Olefs von GeoSphere Austria. Die Auswirkungen kommen hier nur abgeschwächt und indirekt an. Entscheidend bleiben regionale Wetterlagen, die atlantisch-europäische Zirkulation und der langfristige Klimawandel.
Klar ist aber: Ein starker El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich antreiben. Gleichzeitig verändert die Erderwärmung offenbar auch manche bekannten Fernwirkungen des Phänomens. Wie genau sich das neue Zusammenspiel von Ozean, Atmosphäre und Klima auswirkt, ist noch Gegenstand weiterer Forschung. Die Erderwärmung treibt unsere Welt in unbekannten Gewässern.