Österreich startet mit einem deutlichen Wasserdefizit in den Herbst. Auch der September brachte laut aktuellem Monatsbericht "Wasserhaushalt Österreich" keine Entspannung: Es war erneut deutlich zu warm und zu trocken.
Österreichweit lag die Temperatur im September 2,1 Grad über dem Durchschnitt der Klimanormalperiode 1991 bis 2020. Bis zum 9. September wurden noch hochsommerliche Werte von mehr als 30 Grad gemessen, danach näherten sich die Temperaturen einem für die Jahreszeit typischen Niveau.
Gleichzeitig fehlte weiterhin Regen. Mit österreichweit rund 74 Millimetern Niederschlag fiel die Menge um 29 Prozent geringer aus als im langjährigen Vergleich. Besonders trocken war es in Vorarlberg, im Burgenland und in der Steiermark. Auch in den Hochlagen lag weniger Schnee als für die Jahreszeit üblich.
Die Folgen zeigen sich deutlich an Österreichs Flüssen und Bächen. An mehr als 95 Prozent der Pegelmessstellen lagen die Abflüsse unter den langjährigen Monatsmittelwerten. Etwas mehr als 80 Prozent der Messstellen wiesen sogar sehr niedrige Abflüsse auf.
Auch die Pegel der großen Seen gingen weiter zurück. Der mittlere Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende September nur noch vier Zentimeter über dem Niveau des Rekordjahres 2022.
Am Bodensee wurde es ebenfalls außergewöhnlich niedrig: Beim Seepegel Bregenz lag der Wasserstand Ende September unter dem bisher niedrigsten gemessenen Wert für diesen Zeitpunkt im Jahr.
Auch unter der Erde bleibt die Situation angespannt. Ende September meldeten österreichweit knapp 90 Prozent der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände. Gegenüber Ende August gab es damit kaum eine Veränderung.
In Vorarlberg und Tirol nahm der Anteil der Messstellen mit sehr niedrigen Werten regional sogar zu. In der Steiermark ging er hingegen leicht zurück.
Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) verweist deshalb auf die langfristigen Folgen der Trockenheit: "Die niedrigen Wasserstände in unseren Flüssen, Seen und im Grundwasser zeigen, dass die Folgen der massiven Trockenheit weit über den Sommer hinausreichen. Umso mehr müssen wir heute vorausschauend handeln, damit unsere Wasserversorgung auch morgen gesichert bleibt."
Und weiter: "Eine verlässliche Datengrundlage ist dafür entscheidend. Die laufenden Messungen der Hydrographie ermöglichen uns, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Österreich verfügt weiterhin über eine flächendeckende Trinkwasserversorgung auf höchstem Qualitätsniveau – und genau das wollen wir auch für kommende Generationen sichern."
"Deshalb investieren wir konsequent in unsere Wasserinfrastruktur und haben seit 2023 bereits mehr als 3.000 Projekte zur Sicherung der Trinkwasserversorgung unterstützt. Mit dem Wasserentnahmeregister schaffen wir nun zusätzlich mehr Transparenz und eine verlässliche Grundlage für eine vorausschauende Wasserwirtschaft", so Totschnig abschließend.
Eine schnelle Entspannung zeichnet sich laut den aktuellen Prognosen der GeoSphere Austria nicht ab. Zunächst soll ein stabiles Hochdruckgebiet dominieren, weshalb kaum größere Niederschlagsmengen erwartet werden. Erst in Richtung Monatsmitte soll die Wahrscheinlichkeit für Regen deutlich steigen. Wie lange und wie intensiv dieser ausfallen wird, ist allerdings noch unsicher.
Im weiteren Verlauf des Oktobers könnten sich die Niederschlagsmengen wieder dem langjährigen Durchschnitt annähern. Gleichzeitig dürften die Temperaturen für die Jahreszeit erhöht bleiben, wodurch auch die Verdunstung höher bleibt.
Für das Grundwasser wird deshalb kurzfristig keine deutliche Erholung erwartet. Die Situation dürfte vielmehr auf niedrigem Niveau stagnieren.
Für eine nachhaltige Verbesserung wären ergiebige und möglichst flächendeckende Niederschläge bei moderaten Temperaturen nötig. Besonders entscheidend dafür ist die Zeit von November bis ins Frühjahr, in der sich neues Grundwasser bilden kann.