Minister unter Beschuss

Alarm um Ewigkeitschemikalie in Österreichs Grundwasser

Neue Daten zeigen einen starken Anstieg von TFA im heimischen Grundwasser. Jetzt gerät Landwirtschaftsminister Totschnig unter Druck.
Newsdesk Heute
01.10.2026, 15:16
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Eine sogenannte Ewigkeitschemikalie sorgt in Österreich für Wirbel. Die Belastung des Grundwassers mit Trifluoressigsäure, kurz TFA, ist an mehrfach untersuchten Messstellen deutlich gestiegen. Umweltschützer werfen dem Landwirtschaftsministerium nun vor, das Ausmaß des Problems nicht ausreichend offenzulegen.

TFA ist extrem langlebig und sehr gut wasserlöslich. Der Stoff kann unter anderem beim Abbau fluorierter Pflanzenschutzmittel, Kältemittel und anderer fluorierter Chemikalien entstehen. Einmal in der Umwelt, wird TFA praktisch nicht abgebaut und kann sich über die Jahre anreichern.

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Konzentration gestiegen

Besonders brisant sind Daten aus amtlichen Messprogrammen. GLOBAL 2000 wertete Messstellen aus, an denen sowohl 2018/19 als auch 2024 Proben genommen wurden. An allen 16 direkt vergleichbaren Messstellen stieg die TFA-Konzentration. Im Durchschnitt ging es von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter hinauf – mehr als eine Verdoppelung.

16 Messstellen reichen allerdings nicht aus, um daraus eine Verdoppelung im gesamten österreichischen Grundwasser abzuleiten. Die Standorte waren zudem nicht als repräsentative Stichprobe für ganz Österreich ausgewählt worden. Auffällig bleibt aber, dass der Wert an sämtlichen direkt vergleichbaren Stellen gestiegen ist.

Auch andere Untersuchungen zeigen, wie weit TFA bereits verbreitet ist. Bei einem österreichweiten Trinkwasser-Monitoring im Jahr 2025 wurde die Chemikalie in 307 von insgesamt 331 Proben nachgewiesen. Das entspricht 93 Prozent. Der höchste gemessene Wert lag bei 6,03 Mikrogramm pro Liter.

Wirbel um Bericht

GLOBAL 2000 übt nun scharfe Kritik am Landwirtschaftsministerium von Norbert Totschnig (ÖVP). Anlass ist unter anderem der Grüne Bericht 2026. Darin werden Belastungen des Grundwassers durch Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln behandelt. TFA wird laut der von GLOBAL 2000 vorgelegten Dokumentation allerdings nicht entsprechend angeführt.

Die Grünen greifen die Vorwürfe auf und verlangen im Landwirtschaftsausschuss Aufklärung von Totschnig. Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer wirft dem Minister vor, die steigende Belastung zu verharmlosen. Das ist eine politische Bewertung. Dass TFA weit verbreitet ist und an den wiederholt untersuchten Messstellen deutlich zugenommen hat, ist dagegen durch Messdaten dokumentiert.

Wie gefährlich ist TFA?

Hier ist die Lage komplizierter. Einen allgemeinen österreichischen TFA-Grenzwert für Trink- oder Grundwasser gibt es derzeit nicht. Die häufig genannten 0,1 Mikrogramm pro Liter sind daher nicht einfach als allgemeiner TFA-Trinkwassergrenzwert zu verstehen. Bei Pestiziden spielt dieser Wert jedoch für relevante Abbauprodukte eine regulatorische Rolle.

Die AGES erklärte noch im Mai, dass die aktuell gemessenen TFA-Mengen nach damaligem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko darstellen. Gleichzeitig wird der Stoff inzwischen auf EU-Ebene strenger beurteilt.

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA senkte im Juli die akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 0,05 auf 0,014 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Neue Tierstudien zeigten unter anderem Auswirkungen auf Entwicklung, Fortpflanzung und Schilddrüsenhormone. Die EFSA betont allerdings auch Unsicherheiten in der Datenlage.

red,01.10.2026, 15:16