Wiener Wirtin verzweifelt

Nach 46 Jahren – Ärger um Musikverbot in Musikcafé

Im Café Kadett herrscht nach über 46 Jahren Betrieb Stille. Der Grund: Musik ist in der Betriebsanlagengenehmigung nicht vorgesehen.
19.10.2026, 06:15
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Wo früher Musik lief, herrscht jetzt bedrückende Stille. Im Café Kadett in der Hütteldorfer Straße 153 in Wien-Penzing ist die Stimmung am Tiefpunkt. Nach Jahrzehnten mit musikalischer Unterhaltung – das Lokal eröffnete im Jahr 1980 – darf plötzlich kein einziger Song mehr gespielt werden.

Der Grund: In der Betriebsanlagengenehmigung ist keine Musikwiedergabe vorgesehen – und das zuständige Magistratische Bezirksamt kam nach mehreren Beschwerden wegen Lärm offenbar erst jetzt darauf. Für Geschäftsführerin Lili Boykova (28) – sie hat das Lokal vor rund drei Jahren übernommen – ist die Entscheidung der Behörden ein schwerer Schlag.

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"Es ist so leise wie in einer Leichenhalle"

"Meine Gäste fragen alle nach Musik. Es kommen Leute rein und fragen, ob wir geschlossen haben", erzählt die verzweifelte Gastronomin gegenüber "Heute". Besonders bitter: Das Café versteht sich als Musik-Caféhaus. Gäste bringen sogar ihre eigenen Schallplatten mit. Doch die dürfen nun nicht abgespielt werden.

Die Betreiberin ist mit ihren Nerven am Ende. "Es funktioniert als Musik-Caféhaus ohne Musik nicht", schildert Boykova. Immer wieder müsse sie Gästen erklären, warum keine Musik gespielt werden dürfe. Manche würden daraufhin das Lokal wieder verlassen. "Es ist so leise wie in einer Leichenhalle hier! Mir gehen die Gäste weg", klagt sie.

Nicht einmal leise Hintergrundmusik erlaubt

Besonders unverständlich ist für Boykova, dass laut ihrer Darstellung nicht einmal leise Hintergrundmusik in Zimmerlautstärke erlaubt sei. Und das, obwohl im Café seit Jahrzehnten Musik gespielt worden sei: "Auch der Vorbesitzer, der das Lokal 21 Jahre lang geführt hat, hat nichts von der fehlenden Betriebsanlagengenehmigung gewusst. Für mich ist das Behörden-Schikane pur!"

Doch die Behörde sieht die Angelegenheit anders. Auf "Heute"-Anfrage erklärt das zuständige Magistratische Bezirksamt, dass das Café Kadett über keine Genehmigung zur Musikwiedergabe verfügt.

Laut Magistrat Beschwerden über Lärm

"Weder bei der Erstgenehmigung 1980 noch bei späteren Änderungen, zuletzt 2016, wurde von den früheren Betreibern eine Musikwiedergabe angegeben", heißt es. Hinzu kommt laut Magistrat, dass es zuletzt Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben habe. "Zuletzt führte laute Musik zu zahlreichen Beschwerden von Anrainer*innen über oftmals nächtliche Lärmbelästigungen", erklärt die Behörde.

Das Bezirksamt informierte Lily Boykova, dass Beschwerden über Lärm eingegangen sind.
zVg

Die Betreiberin sei deshalb darauf hingewiesen worden, dass Musik ohne entsprechende Genehmigung nicht zulässig sei. Immerhin: Ein Antrag auf Genehmigung von Hintergrundmusik liegt mittlerweile vor und wird derzeit geprüft.

Warten auf neue Genehmigung

Für Boykova ist die Situation kaum nachvollziehbar. Besonders ärgert sie, dass die Dauer des behördlichen Verfahrens für eine Betriebsanlagengenehmigung nicht absehbar ist – sie rechnet mit mindestens drei Monaten Wartezeit: "Wer weiß, ob es das Lokal dann noch gibt?"

Für kleine Gastronomiebetriebe sei das eine zusätzliche Belastung in wirtschaftlich ohnehin schwierigen Zeiten. "Ich verlange keine Sonderbehandlung. Ich verlange Hausverstand, Verhältnismäßigkeit und vor allem Menschlichkeit", appelliert die Geschäftsführerin.

Forderungen an die Politik

Für Boykova ist ihr Fall ein Beispiel dafür, wie schwierig der Alltag für kleine Gastronomiebetriebe geworden ist: Steigende Mieten, hohe Personalkosten und teurere Waren würden die Branche ohnehin massiv unter Druck setzen.

Die Café-Betreiberin richtet sich daher auch direkt an die Politik. Sie fordert von Entbürokratisierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) spürbare Erleichterungen für kleine Unternehmen. "Wir wollen arbeiten. Wir wollen unsere Betriebe erhalten. Wir wollen nicht um unser wirtschaftliches Überleben betteln müssen", erklärt Boykova.

"Ich habe Angst, die Nächste zu sein"

Besonders nahe gehen ihr die zahlreichen Lokalschließungen. Hinter jedem zugesperrten Betrieb würden Menschen stehen, die jahrelang ihre Ersparnisse, ihre Zeit und ihre Kraft investiert hätten. "Und ich gebe offen zu: Ich habe Angst, die Nächste zu sein." Auch an andere Gastronomen richtet sie einen eindringlichen Appell: "Bitte schweigt nicht länger! Lasst euch das nicht gefallen."

cz, 19.10.2026, 06:15
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