Comeback in Wien

Nach 80 Jahren! Speisglocke läutet im Stephansdom

Die abmontierte Speisglocke ist nach langer Restaurierung in Innsbruck zurück im Südturm des Wiener Stephansdoms.
Wien Heute
23.02.2026, 17:26
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Mehr als 80 Jahre war sie verstummt, jetzt ist sie wieder dort zu hören, wo sie hingehört: im Südturm des Wiener Stephansdoms. Die sogenannte Speisglocke, die letzte im Zweiten Weltkrieg zerstörte Glocke des Doms, ist restauriert und an ihren angestammten Platz zurückgekehrt. Möglich wurde das durch die großzügige Spende eines anonymen Unterstützers des Vereins "Unser Stephansdom".

Geschichte geht zurück bis 1613

Gestiftet wurde die Glocke bereits im Jahr 1613 vom Wiener Ratsherrn Thomas Ring, Verwalter der Fronleichnamsbruderschaft, und seiner Gattin Magdalena. Ihre Aufgabe war klar geregelt: Sie diente dem Läuten bei Versehgängen. Der Chronist Joseph Ogesser hielt fest, dass sie mit dreimaligem Absetzen geläutet wurde, wenn der Priester die Kommunion zu einem Kranken brachte, und mit zweimaligem Absetzen, wenn er sie zu einem Sterbenden brachte.

Glocke wurde umgegossen

1746 wurde die Glocke vom Wiener Glockengießer Johann Josef Pfrenger umgegossen und in ihre heutige Form gebracht. Seither hing sie im Turmhelm des hohen Turms, gemeinsam mit der Zügenglocke und den beiden Schlagglocken.

Im 2. Weltkrieg abmontiert

Am 16. März 1942 läutete sie dort ein letztes Mal. Zwei Tage später wurde sie abmontiert, um wie unzählige Wiener Kirchenglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen zu werden. Dieses Schicksal blieb ihr zum Glück erspart. Beim Abtransport wurde sie jedoch beschädigt. 1946 kam die Speisglocke wieder nach St. Stephan zurück, später wurde sie als stummes Museumsstück bei der neuen Pummerin im Nordturm abgestellt.

Rückkehr nach über 80 Jahren

Nun wurde sie von der Glockengießerei Grassmayr Innsbruck umfassend restauriert. Nach mehr als acht Jahrzehnten kehrte sie in den Südturm zurück. "Die Wiederherstellung der Speisglocke war nur Dank der großzügigen Unterstützung eines anonymen Spenders möglich. Dieses Engagement zeigt einmal mehr, welch wertvollen Beitrag unsere Spenderinnen und Spender für den Erhalt des Stephansdoms leisten", so Günter Geyer, Obmann des Vereins "Unser Stephansdom".

Größtes Geläut Österreichs

Domkapellmeister Markus Landerer, unter anderem verantwortlich für das Geläut des Stephansdoms, freut sich über die Rückkehr: "Unser Dom besitzt mit seinen 22 Glocken das größte Geläute in Österreich und auch eines der größten Geläuteensembles weltweit. Mit der Rückkehr der Speisglocke sind nun endlich alle Glocken voll funktionsfähig. Dieses Ereignis erfüllt mich mit großer Freude."

22 Glocken im Dom

Mit der Speisglocke ist das Geläut des Stephansdoms wieder vollständig. Der Dom verfügt über insgesamt 22 Glocken und zählt damit zu den größten Geläuteensembles weltweit. Die Speisglocke erklingt im Ton h1, hat einen Durchmesser von 73,5 cm und wiegt 233 Kilo. Ein Stück Wiener Geschichte erklingt wieder – nach mehr als 80 Jahren Stille.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.02.2026, 17:26
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