Egal ob in Wien, Graz oder Salzburg – der Wirtshausbesuch wird in ganz Österreich spürbar teurer. Ein großes Bier um mehr als 6 Euro ist längst keine Seltenheit mehr, beim Wiener Schnitzel stehen auf manchen Karten Preise jenseits der 30-Euro-Marke.
Was früher selbstverständlich war, wird für viele zur Rechenfrage. Noch eine Runde bestellen? Eine Hauptspeise nehmen oder doch nur eine Kleinigkeit? Die Teuerung trifft nicht nur Supermarkt und Stromrechnung, sondern auch das Gasthaus.
Mitten in dieser Entwicklung zieht ein Wiener Kult-Lokal bewusst gegen den Trend. Das Sopherl am Naschmarkt hat sein Konzept angepasst – und zwar nicht, weil es schlecht läuft, sondern weil sich das Konsumverhalten spürbar verändert.
Betreiber Jing Chen (30) bestätigt im "Heute"-Gespräch: "Die Leute wollen heutzutage konsumieren, aber nicht so viel ausgeben. Das ist zumindest unsere Perspektive." Deshalb wurden alle Gerichte über 30 Euro von der Karte gestrichen. Statt Luxusprodukten wie den Luxus-Fisch Black Cod setzt man wieder stärker auf Klassiker wie Saibling oder Forelle Müllerin Art.
Auch am Nachmittag sei die Zurückhaltung spürbar. Genau dort setzt das Lokal nun an – mit einer täglichen "Beislstund" von 16.30 bis 18.30 Uhr. Kleines Bier vom Fass, Spritzer und Melange kosten dann 3,50 Euro, großes Bier und Aperol Spritzer 4,50 Euro.
Vor allem bei jungen Gästen beobachtet Chen ein Umdenken. "Der Konsum der jüngeren Generation hat sich verändert", sagt er. Immer öfter werde alkoholfreies Bier bestellt, insgesamt werde bewusster konsumiert.
Für viele Gäste zählt inzwischen jeder Euro im Geldbörsel. Gleichzeitig müssen auch Wirte genau kalkulieren. Auf die Frage, warum er kein Soda Zitron um 1 Euro anbietet wie manche Kollegen, antwortet Chen offen: "Da würde ich Verlust machen – es sei denn, ich schenke selber aus."
Schon kleine Beträge seien entscheidend. "Die 60 Cent sind überlebenswichtig." Trotz steigender Energie- und Einkaufskosten habe man seit der Neueröffnung weder Preise erhöht noch bei der Qualität gespart. "Gäste wollen Beständigkeit bei Preis, Qualität und Portionsgröße. Und Stabilität ist das, was wir jetzt alle brauchen."
Neben den Klassikern setzt das Sopherl bewusst auf günstigere Alternativen: Schnitzelsemmel vom Kalb um 13,90 Euro, Tagesteller ab 12,90 Euro, Tagessuppen um 2,90 Euro. Denn eines zeigt die aktuelle Entwicklung klar: Wenn selbst das Feierabendbier zur finanziellen Überlegung wird, verändert sich mehr als nur die Speisekarte – es verändert sich ein Stück österreichische Wirtshauskultur.