Nach den heftigen Rassismus-Vorwürfen gegen den Bürgermeister von Vorderhornbach (Tirol, Bezirk Reutte) meldet sich dieser zu Wort. Für Gottfried Ginther – er ist auch der Hygienebeauftragte im Bad – ist klar: Seine Entscheidung habe ausschließlich mit dem Schutz des Naturbades zu tun – "Heute" berichtete.
"Das hat nichts mit Rassismus oder Religion zu tun", sagt der Bürgermeister im Gespräch mit "Heute". "Der Grund war nur das Naturwasser, weil die Phosphateinträge zu hoch waren."
Auslöser des Streits war der Besuch einer Frau aus Reutte, die mit einem Burkini baden wollte. Der Zutritt zum Wasser wurde ihr verweigert. Die Betroffene sprach danach von Diskriminierung und kündigte an, den Bürgermeister wegen des Verdachts auf Rassismus anzuzeigen, das berichtete die Tiroler Tageszeitung (TT).
Ginther weist gegenüber "Heute" diesen Vorwurf entschieden zurück. Entscheidend sei ausschließlich die besondere Funktionsweise des Naturbades.
"Das Wasser kann das nicht mehr verarbeiten", erklärt er. Anders als Schwimmbädern mit Chlor werde das Wasser im Badino ausschließlich mit natürlichen Filtern und Pflanzen gereinigt.
"Die Bakterienstämme sind nicht in der Lage, so hohe Phosphateinträge zu verarbeiten", sagt Ginther. Gerade Ganzkörperanzüge würden aus seiner Sicht das Risiko erhöhen.
Der Bürgermeister betont, dass die Regel für alle Badegäste gelte, unabhängig von Religion oder Herkunft, "es gibt bei uns kein Verbot, die Anlage mit Burkini zu betreten."
"Einzig und alleine: Ganzkörperanzüge – ob muslimische oder nicht, ist ganz egal – haben einfach nichts in einem Naturwasser zu suchen."
Auch vergleichbare Ganzkörperanzüge zum UV-Schutz seien deshalb im Wasser nicht erlaubt.
Laut Ginther unterscheidet sich das Naturbad grundlegend von anderen Gewässern: "Unser Bad ist zu klein, ein See ist da anders." Die Regel sei deshalb auch eindeutig festgeschrieben, "das ist bei uns auch in der Badeordnung verankert."
Und weiter: "Das ist so festgelegt, ein Naturwasser verträgt solche massiven Einträge nicht."
Die Badegästin sieht das völlig anders. Sie erklärte nach dem Vorfall, ihr Burkini bestehe aus demselben Material wie herkömmliche Badebekleidung. In anderen Thermen, Freibädern und Badeseen könne sie problemlos damit schwimmen.
"Diese Aussage war für mich reiner Rassismus", sagte sie nach dem Vorfall der TT.
Sie verließ das Bad, erhielt ihr Eintrittsgeld zurück und kündigte an, den Bürgermeister wegen des Verdachts auf Rassismus anzuzeigen.
Nach dem Vorfall brachte die Gemeinde am Eingang des Naturbades einen zusätzlichen Hinweis an. Darauf wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur "übliche Badebekleidung erlaubt ist".