Automatische Trinkgeldvorschläge auf Kartenterminals sorgten in Österreich zuletzt für heftige Diskussionen. Wer beim Bezahlen plötzlich zwischen fünf, zehn oder noch mehr Prozent wählen soll, fühlt sich schnell unter Druck gesetzt.
Wie schnell eine solche Abfrage sogar völlig aus dem Ruder laufen kann, zeigt ein Fall aus der Schweiz. Am Bahnhof Winterthur zahlte eine Seniorin kürzlich 1.612,14 Franken (1.704 Euro) für ein Nusskipferl bei der Bäckerei Bakery Bakery, weil sie bei der Trinkgeldfrage intuitiv ihren PIN-Code eingegeben hatte.
Besonders kurios dabei: Tagelang fiel der Fehler weder der Frau noch der Bäckerei auf. Erst rund zwei Wochen später entdeckte eine Beraterin der Schweizer Organisation Pro Senectute die auffällige Abbuchung, als sie gemeinsam mit der Seniorin deren Kontoauszüge kontrollierte. Mittlerweile bekam sie ihr Geld schließlich zurück.
Der Fall bekommt auch mit Blick auf Österreich besondere Brisanz. Denn immer mehr Lokale setzen bei Kartenzahlungen auf Terminals, die automatisch mehrere Trinkgeldstufen anzeigen. Genau daran entzündet sich Kritik: Gäste sollen nicht durch besonders große oder auffällige Felder zu einem Trinkgeld gedrängt werden.
Verbraucherschützer fordern deshalb klare Regeln für solche Bezahlvorgänge. Die Möglichkeit, kein Trinkgeld zu geben oder einen eigenen Betrag einzugeben, müsse genauso leicht erkennbar sein wie vorgeschlagene Prozentwerte.
Grundsätzlich gilt: Trinkgeld ist freiwillig. Digitale Lösungen können das Bezahlen zwar erleichtern, dürfen Gäste aber nicht unter Druck setzen oder durch die Gestaltung des Displays in eine bestimmte Richtung lenken.
Nun zieht Bakery Bakery Konsequenzen aus dem Vorfall. Die Möglichkeit, am Kartenterminal ein Trinkgeld einzugeben, soll künftig nicht mehr in allen Filialen angeboten werden. Es ist ohnehin nicht üblich, in einer Bäckerei Trinkgeld zu geben, wenn man nur an der Theke bedient wird.
Die Funktion werde auf Quartierfilialen mit Sitzplätzen und Brunch-Angebot beschränkt. An stark frequentierten Standorten an Bahnhöfen soll die Trinkgeld-Abfrage beim Kartenzahlen dagegen verschwinden.