Besonders präzise

Nach Prostatakrebs – Roboter rettet nun die Potenz

Prostatakrebs bedeutet für viele Männer auch Angst um ihre Potenz. In Graz soll ein neuer OP-Roboter helfen, wichtige Nerven zu schonen.
30.10.2026, 11:03
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Eine Prostatakrebs-Diagnose ist für viele Männer ein Schock. Neben der Angst vor der Erkrankung beschäftigt Betroffene oft eine besonders intime Frage: Können sie nach der Operation noch eine Erektion bekommen? In Graz soll nun ein dritter OP-Roboter helfen, wichtige Nerven zu schonen und gleichzeitig mehr Patienten behandeln zu können.

An der Grazer Universitätsklinik für Urologie kommt Anfang November ein weiterer Da-Vinci-Roboter zum Einsatz. Damit sollen künftig rund 200 zusätzliche urologische Eingriffe pro Jahr möglich sein. Bereits jetzt werden nahezu 100 Prozent aller radikalen Prostata-Entfernungen an der Klinik roboterassistiert durchgeführt.

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Millimeterarbeit für den Erhalt der Potenz

Wie wichtig die Präzision bei solchen Eingriffen ist, zeigt der Fall von Johann Kirisits. Bei dem 68-Jährigen aus Bad Gams wurde Prostatakrebs in einem frühen Stadium festgestellt, wie die "Kleine Zeitung" berichtet. Für ihn und seine Frau stand fest: Der Tumor muss entfernt werden.

Dabei stehen die Chirurgen vor einer großen Herausforderung. Direkt neben der Prostata verlaufen feine Nervengefäßbündel, die für die Erektionsfähigkeit wichtig sind. Auch der Schließmuskel der Harnröhre liegt in unmittelbarer Nähe. Das Ziel: den Krebs möglichst vollständig entfernen und gleichzeitig gesundes Gewebe erhalten.

Der OP-Roboter Da Vinci unterstützt die Ärzte dabei mit einer bis zu zehnfach vergrößerten, dreidimensionalen Sicht. Seine Instrumente können besonders präzise auf engstem Raum bewegt werden.

200 zusätzliche Eingriffe pro Jahr

Der Bedarf an roboterassistierten Operationen ist in Graz deutlich gestiegen. Während 2021 rund 80 radikale Prostata-Entfernungen durchgeführt wurden, waren es 2025 bereits mehr als 200.

Mit dem dritten Da-Vinci-Roboter stehen der Urologie künftig zwei zusätzliche Operationstage pro Woche zur Verfügung. Dadurch sollen jährlich rund 200 weitere urologische Eingriffe möglich werden. Der erste Roboter wurde 2021 angeschafft, der zweite folgte 2024. Das dritte Gerät geht am 2. November 2026 in Betrieb.

Patienten schneller wieder zu Hause

Auch die Erholungszeit nach der Operation hat sich deutlich verkürzt. 2021 verbrachten Patienten nach einer offenen radikalen Prostataentfernung durchschnittlich zwölf Tage im Krankenhaus. 2025 waren es nur noch 3,4 Tage.

"Heute stehen manche bereits am Abend der Operation wieder auf, weil sie sich schon so gut erholt haben", berichtet Brigitte Amon, Pflege-Stationsleiterin an der Urologie in der "Kleinen Zeitung". Viele Patienten seien bereits am dritten Tag nach dem Eingriff wieder fit genug, um nach Hause zu gehen. Auch die Schmerzen seien deutlich geringer.

Wichtig ist allerdings: Der Roboter operiert nicht selbstständig. Die Chirurgen steuern die Instrumente über eine Konsole. "Die ideale Kombination ist der Roboter zusammen mit einem erfahrenen, talentierten Chirurgen", betont Urologie-Vorstand Sascha Ahyai.

Keine Garantie für den Erhalt der Potenz

Trotz der technischen Unterstützung gibt es keine Garantie, dass die Erektionsfähigkeit erhalten bleibt. Bei mehr als 80 Prozent der radikalen Prostata-Operationen können die entsprechenden Nervengefäßbündel geschont werden. Trotzdem können sie durch den Eingriff beeinträchtigt werden. Die Erholung dauert häufig Monate, manchmal auch länger.

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Eine spezielle Gewebeuntersuchung während der Operation hilft den Ärzten bei der Entscheidung: Die Pathologie untersucht die Schnittränder der entfernten Prostata auf Krebszellen. Sind diese tumorfrei, können die geschonten Nerven in der Regel erhalten bleiben. Werden Krebszellen entdeckt, muss gegebenenfalls weiteres Gewebe entfernt werden – auch wenn dadurch die Nervengefäßbündel betroffen sind. "Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine Krebsoperation handelt", betont Ahyai. Die vollständige Entfernung des Tumors habe immer Vorrang.

Beckenbodentraining beginnt vor der OP

Neben der Potenz ist auch die Kontinenz für viele Männer ein großes Thema. Weil die Prostata unmittelbar neben dem Harnröhrenschließmuskel liegt, kann es nach dem Eingriff vorübergehend zu ungewolltem Harnverlust kommen. Deshalb beginnt das Beckenbodentraining bereits vor der Operation. Physiotherapeutin Brigitta Gräßl zeigt den Patienten, wie sie die entsprechenden Muskeln gezielt anspannen können.

Auch das Thema Sexualität gehört zur Nachsorge. "Je früher, desto besser. Alles, was an zwischenmenschlichem Zusammensein möglich ist, bitte starten! Streicheln, schmusen, einfach genießen", ermutigt Gräßl ihre Patienten. Johann Kirisits hat seine Operation gut überstanden. Sein nächstes Ziel: wieder aufs Rad steigen. Damit muss sich der begeisterte Radfahrer allerdings noch etwas gedulden.

red, 30.10.2026, 11:03
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