Nach dem überraschenden Rücktritt hat Andrij Jermak jetzt angekündigt, an die Front gehen zu wollen. "Ich möchte Selenskyj keine Probleme bereiten, ich gehe an die Front", so der ehemalige Leiter des ukrainischen Präsidialbüros gegenüber der "New York Post". Er machte keine weiteren Angaben zu seinen genauen Plänen. Auch ob er sich der Armee anschließt, ist unklar.
"Ich habe der Ukraine gedient und war in Kiew bei Kriegsausbruch. Ich bin angewidert von den Schmähungen, die gegen mich gerichtet werden, und noch mehr angewidert von der mangelnden Unterstützung durch diejenigen, die die Wahrheit kennen", so Jermak.
Nach einer Hausdurchsuchung durch die Antikorruptionsbehörden war er zurückgetreten. Staatschef Wolodymyr Selenskyj teilte am Freitag in einer Videobotschaft mit, er werde sein Büro neu besetzen. Jermak war auch Chefverhandler der Ukraine bei Gesprächen mit den USA über Wege hin zu einem Ende des russischen Angriffskriegs.
Laut einer Liste, die Selenskyj vorlegte, wird Jermak bei der nächsten Verhandlungsrunde mit den USA nicht mehr der ukrainischen Delegation angehören. Angeführt wird diese von Generalstabschef Andrij Hnatow, Außenminister Andrij Sybiha sowie dem Vorsitzenden des ukrainischen Sicherheitsrats und ehemaligen Verteidigungsminister Rustem Umjerow.
Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) und der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) hatten am Freitagmorgen die Wohnung und, Medienberichten zufolge, auch das Büro Jermaks durchsucht. Zu der Frage, ob das Büro tatsächlich durchsucht werde, äußerten sich die Ermittler nicht.
Oleksi Tkatschuk, ein Sprecher Jermaks, sagte, die Antikorruptionsbehörden hätten dem Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros keine Mitteilung zugestellt, wonach er als Verdächtiger einer Ermittlung eingestuft werde. Jermak sei aber auch nicht mitgeteilt worden, was der Hintergrund der Durchsuchung gewesen sei.
Jermak bestätigte vor seinem Rücktritt die Durchsuchung seiner Wohnung auf dem Gelände der Präsidialkanzlei in der Innenstadt von Kiew. Es gebe keine Hindernisse für die Ermittler, schrieb er bei Telegram. Er kooperiere vollständig und seine Anwälte seien vor Ort. Wo Jermak selbst sich während des Einsatzes aufhielt, war zunächst unklar. Dasselbe galt für Präsident Selenskyj.