Rund 600 Hunde leben im dicht bebauten Wiener Bezirk Neubau. Sie alle müssen täglich Gassi gehen, schnüffeln und natürlich auch ihr Geschäft verrichten. Doch was für die Vierbeiner völlig natürlich ist, kann für die Stadtbäume zum Problem werden.
Deshalb startet der Bezirk jetzt eine ungewöhnliche Aktion: Zum bekannten "Sackerl fürs Gackerl" kommt das "Flascherl zum Sackerl". Ab Montag, 12. Oktober, können sich Hundebesitzer in der Bezirksvorstehung Neubau kostenlos eine kleine Wasserflasche abholen. Die Flaschen werden ausgegeben, solange der Vorrat reicht.
Dahinter steckt das Projekt "Schönes Gassi", das engagierte Bewohner gemeinsam mit dem Grätzllabor Neubau und dem Bezirk entwickelt haben. Die Idee ist denkbar einfach: Hundebesitzer nehmen künftig neben dem Gackerl-Sackerl auch eine kleine Flasche mit Leitungswasser zum Spaziergang mit. Markiert der Hund an einer geeigneten Stelle, wird der Urin anschließend mit Wasser verdünnt.
Frischer Hunde-Urin ist gut wasserlöslich. Durch das Wasser wird die Konzentration von Ammoniak und anderen belastenden Stoffen reduziert. Das soll nicht nur Bäume und Pflanzen schützen, sondern auch unangenehme Gerüche in den Gassen verringern. Eine Flasche mit 270 Millilitern Fassungsvermögen reicht laut Initiatoren für mehrere Anwendungen.
Was viele nicht wissen: Hundeurin kann für Stadtbäume zum ernsthaften Problem werden. Er kann die Rinde schädigen und ihre natürliche Schutzfunktion schwächen. Dadurch können Krankheitserreger und Pilze leichter in den Stamm eindringen. Im schlimmsten Fall drohen Fäulnis und eine Beeinträchtigung der Standfestigkeit.
Gerade im dicht bebauten Neubau sind Bäume besonders wichtig. In den vergangenen zehn Jahren wurden laut Bezirksangaben rund 250 neue Bäume gepflanzt. Sie spenden Schatten, kühlen die Straßen und verbessern das Mikroklima.
Allerdings stehen Stadtbäume ohnehin unter Stress: Hitze, Trockenheit, verdichtete Böden, Schadstoffe und achtlos weggeworfene Zigarettenstummel setzen ihnen zu. Hundeurin ist eine zusätzliche Belastung.
Mit der Aktion "Schönes Gassi" wollen die Initiatoren das Zusammenleben von Hunden, Menschen und Stadtgrün verbessern. Statt neuer Verbote setzt der Bezirk auf Bewusstseinsbildung und eine einfache Maßnahme im Alltag. Ganz neu ist die Idee übrigens nicht: In Spanien, Japan, Italien, Großbritannien und der Schweiz wird die Methode bereits angewendet.