Der 2:1-Derbysieg gegen den GAK hätte Ruhe bringen sollen – stattdessen zerbrach bei Sturm Graz endgültig die Fassade des Zusammenhalts. Trainer Jürgen Säumel, nach der jüngsten Ergebniskrise schwer unter Druck und ohne Vertrag über den Sommer hinaus, nutzte den Sonntag nicht für Erleichterung, sondern für einen Frontalangriff.
Bei "Sky" sprach er von tiefen strukturellen Problemen: "Es passt vieles nicht im Verein. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, das hat viel mit Vertrauen zu tun." Den Zusammenhalt der vergangenen Jahre habe er "so nicht mehr wahrgenommen". Besonders brisant: Seine Kritik richtete sich klar gegen Sportchef Michael Parensen.
Nur wenige Tage später folgte nun die Retourkutsche – verpackt in einem bemerkenswert deutlichen Interview in der "Krone". Parensen zeigte sich vom Zeitpunkt und Stil des Trainers alles andere als begeistert: "Der Zeitpunkt, nach einem Sieg in einem so wichtigen Spiel Dinge öffentlich zu äußern, die intern bleiben sollten, hat mich schon überrascht." Und weiter: "Ich verstehe grundsätzlich etwas anderes unter einer professionellen Zusammenarbeiten. Das ist eine Geschichte gewesen, die so nicht passieren sollte."
Gleichzeitig wies er Gerüchte zurück, wonach er sich bereits früh nach Alternativen zu Säumel umgesehen habe. Er ließ jedoch Raum für Interpretationen: "Es gehört zu meinem Job, immer informiert zu sein, was mögliches Personal betrifft. Solche Vorgänge sind völlig normal."
Säumel wiederum hatte die Verantwortung für den angeschlagenen Kader explizit Parensen zugeschoben: "Wir haben einen Kader mit Baustellen. Dass wir Probleme bekommen würden, war absehbar." Die Antwort des Sportchefs: Er nehme Kritik nie persönlich, es gehe ausschließlich um den Verein – ein weiterer Seitenhieb auf Säumels Emotionalität.
Nach dem über die Medien ausgetragenen Machtkampf scheint es äußerst unwahrscheinlich, dass die beiden nochmal zusammenfinden werden. Dass sie sich am Montag bei der großen SK-Sturm-Weihnachtsfeier nichts anmerken ließen, wirkt da fast absurd. Denn eines ist klar: Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf um Ausrichtung, Kompetenzen und Zukunft.
Sportlich bleibt jedenfalls kaum Zeit zum Luftholen: Donnerstag (18.45 Uhr) wartet Roter Stern Belgrad in der Europa League, Sonntag (17.00 Uhr) die Austria in Wien. Danach, so Parensen, werde man intern über die Zukunft des Trainers sprechen – auch wenn Säumel beide Spiele gewinnt.