Im Gemeindebau am Handelskai 214 (Wien-Leopoldstadt), dem Karlheinz-Hora-Hof, befürchten Bewohner ein Asbest-Problem. Sie ließen Proben von beschädigten Fassadenplatten in einem Labor in Deutschland untersuchen. Der Befund: Die gebrochenen Eternitplatten sind eindeutig asbesthaltig.
Mieter Vedat Göksu entnahm die Probe am Balkon einer Nachbarin. Er sorgt sich vor allem um die Gesundheit der Bewohner. "Auf unseren Balkonen spielen unsere Kinder, wir halten uns hier viel auf. Dort, wo die Fassadenplatten Risse und Brüche haben, ist daneben ein Kinderspielplatz. Wir machen uns große Sorgen", sagt der 57-Jährige.
Unterstützung erhalten die Bewohner von der KPÖ: "Nicht nur hat diese Anlage ein strukturelles Schimmelproblem, jetzt kommt auch noch Asbest dazu. Das ist ein potenziell sehr großes Gesundheitsrisiko für die Anwohner. Wiener Wohnen und die Stadtregierung müssen jetzt für Klarheit sorgen und die Karten auf den Tisch legen", fordert Max Veulliet, Sprecher der KPÖ Leopoldstadt, in einer Aussendung.
Der Gemeindebau war bereits zuletzt wegen massiver Schimmelprobleme in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Bewohner berichteten gegenüber "Heute", dass sich der Schimmel in Schlafzimmern, Küchen und Badezimmern immer wieder ausbreite.
Vedat Göksu erklärte damals, dass das Kinderzimmer seiner Wohnung wegen des Schimmels unbenutzbar sei. Seine Frau und andere Bewohner klagten über Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Gemeinsam mit anderen Mietern gründete er eine Mieterinitiative und schaltete einen Anwalt sowie einen unabhängigen Gutachter ein.
Wiener Wohnen erklärte damals gegenüber "Heute", Schimmelmeldungen sehr ernst zu nehmen. Die Wohnhausanlage umfasst insgesamt 1.043 Wohnungen. Laut Wiener Wohnen wurden 55 Schimmelmeldungen eingebracht, die 20 Wohnungen betreffen.
Nach Begehungen durch Bautechniker seien entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden. In rund 80 Prozent der Fälle sei die Schimmelbildung auf ein nicht optimales Wohnklima mit zu hoher Luftfeuchtigkeit zurückzuführen.
Nun muss sich Wiener Wohnen vielleicht auch noch mit einem Asbest-Problem auseinandersetzen: Eternitplatten mit Asbest wurden bis in die 1980er-Jahre auch im Wohnbau verwendet. Der alte Karlheinz-Hora-Hof wurde Mitte der 1970er-Jahre errichtet.
Solange das Material unbeschädigt ist, gilt der enthaltene Asbest als unbedenklich. Werden die Platten jedoch beschädigt (wie in diesem Fall), können Asbestfasern freigesetzt werden. Diese können eingeatmet werden und auch in geringen Mengen schwere Lungenerkrankungen verursachen, die oft erst Jahrzehnte später auftreten.