"Das Leben war von einem Moment zum anderen ein anderes", erinnert sich Sylvia Pirchegger an den Schicksalstag im Jahr 2008. Die Wienerin stand mitten im Leben, hatte drei Kinder, einen Job und war sportlich aktiv. Doch bei einem Skiausflug sollte sich alles ändern.
"Es gab einen Klimawechsel von zehn Grad und ich habe schon immer auf das Wetter reagiert", erzählt die Pensionistin. "Plötzlich wurde mir schwindelig, ich musste mich in den Schnee setzen. Als ich wieder aufstand, wurde mir schwarz vor Augen. Ich rollte den Hang hinunter und seitlich auf eine Eisplatte. Dabei habe ich mir zwei Brustwirbel gebrochen." Seit diesem Tag ist Pirchegger querschnittgelähmt.
Ein Jahr habe sie gebraucht, um alles zu realisieren, berichtet sie im Gespräch mit "Heute". Nach acht Monaten Reha sei sie "sehr selbstständig" gewesen, also nahm die Familie ihren Alltag wieder auf. Damit kam der psychische Einbruch: "Es ging mir nicht gut, ich war plötzlich alleine und bin viel im Bett gelegen", erinnert sie sich. Ein Psychologe half der 73-jährigen aus der Krise und zurück ins Leben.
Über eine Freundin lernte Pirchegger schließlich das Wiener Hilfswerk kennen, kam in das Nachbarschaftszentrum 7. "Ich war in einem Keramikkurs und wurde so lieb aufgenommen. Also habe ich 2010 gedacht, ich möchte etwas zurückgeben und gefragt, ob es etwas gibt, das ich in meinem Rahmen machen kann", erinnert sie sich.
Schließlich begann die Dreifach-Mutter damit, Volksschüler bei den Hausaufgaben zu unterstützen, später lernte sie mit erwachsenen Geflüchteten Deutsch. Nach einer Corona-Pause ist die gelernte Schneiderin nun überall im Einsatz, wo sie gebraucht wird – vom Flohmarkt, über Dekorationsarbeiten für das Kasperltheater bis zum Postversand oder dem Nachbarschaftsfest.
"Mir hat die Tätigkeit beim Wiener Hilfswerk viel Kraft gegeben. Ich wurde so gut aufgenommen und habe jetzt wieder einen Alltag, eine Struktur und Regelmäßigkeit", freut sie sich. "Es ist außerdem schön, die Erfolge zu sehen – etwa, wenn sich die Noten der Schüler verbessern und man das Gefühl hat, etwas geleistet zu haben. Und natürlich wird auch viel gelacht."
Auch für die andere Seite ist die freiwillige Arbeit von Pirchegger eine Bereicherung: "Sylvia ist wirklich ein Gewinn. Sie ist so flexibel, ist in verschiedenen Bereichen tätig und man kann sie immer anrufen", erzählt Heidelinde Pelka, Leiterin des Nachbarschaftszentrums 7. 100 Freiwillige sind dort derzeit im Einsatz – Verstärkung ist immer willkommen, vor allem im handwerklichen Bereich. Mehr Infos finden Sie hier.
"Die freiwillige Arbeit zahlt sich aus", betont Pirchegger. "Man kann sein Können unter Beweis stellen, aber das Schöne sind vor allem die Gemeinschaft, der Zusammenhalt und das familiäre Umfeld. Wenn man etwas braucht, hilft immer jemand. Außerdem kann man der Gesellschaft etwas geben!"