Nachtangst: Wenn Schlafen zum Horror wird

Wenn die Nacht zum Horror wird: Nachtangst.
Wenn die Nacht zum Horror wird: Nachtangst.Getty Images
Der ärgste Albtraum ist nie so schlimm wie Nachtangst es sein kann. Was man tun kann, wenn einen jede Nacht pure Todesangst und Schreie heimsuchen.

Es gibt verschiedene Schlafstörungen, die einem die Nacht schwer machen können. Beim Pavor Nocturnus - der so genannten "Nachtangst" oder "Nachtschreck" - kommt es wiederholt zu Episoden, in denen die Betroffenen aus dem Schlaf aufschrecken, dabei heftig erregt ist und womöglich auch laut schreit. Die Episoden treten meist im ersten Drittel der Nacht während des Tiefschlafes auf. Die Betroffenen können sich am nächsten Tag jedoch an nichts mehr erinnern.

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So verläuft eine Nachtangst-Episode

Eine Episode beginnt oft damit, dass sich der Betroffene im Bett aufsetzt, schreit, die Augen weit aufreißt und einen Ausdruck starker Angst im Gesicht hat. Während der Phasen, die meist nur wenige Minuten dauern, bewegt sich der Schlafende heftig, wirkt verängstigt und zeigt deutliche Merkmale körperlicher Erregung wie schnelle Atmung, Schwitzen und schnellen Herzschlag. Dabei reagiert er nicht auf Reize von außen, also auch nicht auf die Versuche anderer Personen, ihn zu beruhigen. Nach dem Aufwachen besteht keine Erinnerung an die Ereignisse und auch nicht an Träume oder Eindrücke, die die starke Angst hervorgerufen haben könnten.

Ursache unklar

Leider ist sich die Wissenschaft noch nicht sicher, warum es zu Nachtangst kommt. Bekannt ist, dass die Ursache vor allem (Klein-)Kinder betrifft. Vermehrt werden Symptome beobachtet, wenn das Kind unter einer direkten Stresseinwirkung steht, einen Konflikt verarbeiten muss oder das Kind generell in einem kritischen und unruhigen Ambiente wohnt.

Auch ist möglich, dass die Erkrankung genetisch vererbt wird, da die Eltern der betroffenen Kinder oftmals ebenfalls über Schlafängste berichten. Exakte wissenschaftliche Beweise dafür fehlen jedoch. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass der Grund für Pavor Nocturnus in einer Reifestörung des Gehirns zu suchen sei. Dieses kann die einzelnen Schlafphasen nicht einwandfrei regulieren, wodurch es zu einer Angstentwicklung kommt.

Unterschied zwischen Albtraum, Nachtangst und nächtlichen Panikattacken

"Im Normalfall träumen wir pro Nacht drei- oder viermal. Albträume treten während des REM-Schlafs auf. Es handelt sich dabei um Träume mit schlimmer Handlung, die eng mit den Erinnerungen der schlafenden Person zusammenhängt. Im Allgemeinen erinnert man sich zumindest unterbewusst auch an das, was man während eines Albtraums geträumt hat", erklärt Mirta Averbuch im Interview mit dem Online-Magazin "Vice". Sie leitet die schlafmedizinische Abteilung des neurowissenschaftlichen Instituts der Favaloro-Foundation-Uniklinik in Buenos Aires.

REM-Schlafphase: oberflächliche Schlafphase mit schnellen, unwillkürlichen Augenbewegungen („rapid eye movements“ = REM) und erhöhter Gehirnaktivität.

Non-REM-Schlafphasen: unterschiedlich tiefe Schlafphasen ohne die typischen Augenbewegungen des REM-Schlafes und mit reduzierter Gehirnaktivität.

Bei der Nachtangst sei das nicht der Fall. Die betroffene Person erinnere sich an gar nichts. "Selbst wenn sie mit offenen Augen aufrecht im Bett sitzt und schreit, ist sie immer noch im Tiefschlaf. Zwar wirkt das Ganze sehr besorgniserregend, aber am nächsten Tag hat man keine Erinnerung mehr daran."

Auch Panikattacken können uns aus dem Schlaf reißen. "Sie lassen die betroffenen Personen aufwachen und denken, dass sie gleich sterben. Sie erkennen, was gerade mit ihnen passiert, und atmen im besten Fall tief durch, trinken Wasser und versuchen, sich zu beruhigen. Das alles sehen wir gerade häufiger bei Erwachsenen", so die Schlafforscherin.

Kinder häufig betroffen

In erster Linie sind Kinder von der Nachtangst betroffen, die Symptome verlieren sich mit fortschreitendem Alter aber wieder. Oftmals halten diese Attacken sogar nur für einige Tage oder wenige Wochen an. Es ist nur selten der Fall, dass die Erkrankung über Jahre beibehalten wird. Falls doch, muss unter Umständen psychologischer Rat eingeholt werden, da Kinder ihre Erlebnisse und Emotionen ebenso im Schlaf verarbeiten wie Erwachsene. Ebenso sollte Epilepsie ausgeschlossen werden.

Manche Faktoren begünstigen den Nachtschreck bei Kindern: Übermüdung, Schlafmangel, emotionaler Stress, fieberhafte Erkrankungen, Medikamente, ein ereignisreicher Tag, viele Eindrücke, Übernachten in einer fremden Umgebung.

Therapiemöglichkeiten

Bei Erwachsenen rät Mirta Averbuch, besser zu schlafen. Da hilft es, vor dem Zubettgehen nicht zu viel Alkohol zu trinken und bei den regelmäßigen Mahlzeiten nicht übermäßig viel zu essen. Wer unter Panikattacken leidet, sollte Atem- und Entspannungsübungen ausprobieren. Wenn diese Panikattacken mindestens dreimal pro Woche auftreten, sollte man aber ärztliche Hilfe aufsuchen, bevor man irgendwelche Medikamente nimmt.

Wenn es bei einem Kind passiert, kann man eigentlich nicht mehr tun, als an dessen Seite zu bleiben und zu versuchen, es zu beruhigen. Man sollte es besser nicht aufwecken, denn man kann nie genau sagen, wie es dann reagiert – im schlimmsten Fall schlägt es wild um sich. Stattdessen reichen eine Umarmung und eine sanfte Rückenmassage. Das Ganze dauert ja auch nur wenige Sekunden. Was auch hilft: das Licht anmachen. So kann die betroffene Person beim Aufwachen direkt alles deutlich sehen und ist nicht erstmal verwirrt und orientierungslos. Das Wichtigste ist auf jeden Fall, immer die Ruhe zu bewahren. Nachtangst ist an sich nicht gefährlich. 

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