Künftiger Status des Gewässers

Naturjuwel oder Tourismusmotor? Streit um Wörthersee

Die Wirtschaftskammer Kärnten will den Wörthersee "tourismusfreundlicher" einstufen lassen. Umweltschützer warnen vor Folgen für Natur und Seeufer.
Bernd Watzka
16.06.2026, 11:11
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Der Wörthersee steht im Mittelpunkt einer neuen Debatte. Die Wirtschaftskammer Kärnten fordert, den größten See des Bundeslands im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan nicht länger als "natürlichen Wasserkörper", sondern als "erheblich veränderten Wasserkörper" einzustufen. Damit könnten touristische Projekte und Verbauungen leichter umgesetzt werden.

Strenge Öko-Vorgaben für Naturgewässer

Hintergrund der Diskussion ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Für natürliche Gewässer gelten strenge ökologische Ziele. Bei "erheblich veränderten" Gewässern fallen diese Vorgaben deutlich lockerer aus.

Die Wirtschaftskammer argumentiert, der Wörthersee sei durch Ringkanalisation, Uferverbauungen, Schifffahrt und intensive touristische Nutzung längst kein unberührter Natursee mehr.

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Zustand auf "mäßig" herabgestuft

Der beliebte Freizeit- und Urlaubs-See wurde bisher als natürlicher Wasserkörper bewertet. Nachdem sein ökologischer Zustand von "gut" auf "mäßig" herabgestuft worden war, präsentierten Experten im Vorjahr einen Maßnahmenplan. Als Hauptproblem gelten fehlende Wasserpflanzen.

Vorgeschlagen wurden unter anderem der Rückbau harter Uferverbauungen, ein Stopp beim Karpfenbesatz sowie neue Regeln für den Motorbootverkehr.

Wörthersee massiv verbaut

Für die Wirtschaftskammer geht die aktuelle Bewertung jedoch an der Realität vorbei. Wirte-Sprecher Stefan Sternad betont, die geforderte Neueinstufung sage nichts über die Wasserqualität aus. Vielmehr würden derzeit Maßstäbe angewendet, die eher für unberührte Bergseen geeignet seien. "Wenn wir den Wörthersee als unverbaut betrachten, ist das einfach falsch", so Sternad zum ORF.

Tausende Arbeitsplätze in Gefahr

Befürworter des Sees als Tourismusmotor warnen zudem vor wirtschaftlichen Folgen. Tausende Arbeitsplätze hingen direkt oder indirekt vom See ab. Rückbauten von Stegen oder strengere Auflagen könnten Tourismusbetriebe und Anrainer erheblich belasten, so Sternad.

Zudem müssten Stege inzwischen alle zehn Jahre neu genehmigt werden. Bei schlechten ökologischen Bewertungen werde eine Verlängerung zunehmend schwieriger.

Kritik von Umweltschützern

Scharfe Kritik kommt hingegen vom Umweltdachverband. Präsident Franz Maier sieht einen klaren Widerspruch zur Vermarktung des Wörthersees als Naturjuwel. Die EU verpflichte die Mitgliedstaaten dazu, Gewässer ökologisch aufzuwerten und verbaute Bereiche zu renaturieren. "Davon möchte man sich hier verabschieden", sagt Maier.

Auch die Grünen Kärnten stellen sich gegen den Vorstoß. Landessprecherin Olga Voglauer verweist auf Berichte, die eine Verschlechterung des ökologischen Zustands durch steigenden Nutzungsdruck dokumentieren.

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