"Unwiderruflicher Schaden"

Neue EU-Pläne: Deutschland steht vor Fischstäbchen-GAU

Die EU will die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland halbieren. Das könnte Fischstäbchen und Schlemmerfilets deutlich teurer machen.
Newsdesk Heute
15.06.2026, 14:54
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die geplanten neuen Russland-Sanktionen der EU könnten bald auch im Tiefkühlregal spürbar werden. Nach aktuellen Plänen soll die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte reduziert werden.

Der Hintergrund: Die EU will Russland wichtige Exporterlöse entziehen und damit den Krieg gegen die Ukraine wirtschaftlich erschweren. Ein vollständiges Importverbot stand zwar im Raum, wurde wegen möglicher Folgen für Unternehmen und Konsumenten aber vorerst nicht umgesetzt.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Droht eine Fischstäbchenkrise?"

Besonders den Deutschen dürfte das gar nicht schmecken: Bei unseren Nachbarn stehen die größten Fischstäbchenfabriken der Welt. Nach Angaben des Thünen-Instituts stieg der Anteil russischer Alaska-Seelachs-Importe zwischen 2020 und 2024 von 15 auf 45 Prozent. Allein im Vorjahr wurden mehr als 93.000 Tonnen gefrorene Filets aus Russland importiert.

Bedeutung der russischen Meeresfischerei: Gesamtfang russischer Fischereifahrzeuge (links) und Anteil Alaska-Pollack daran (Frischgewicht); Herkunft der Alaska-Pollack-Importe nach Deutschland 2020-2024.
Thünen-Institut/Christopher Zimmermann

Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, warnt vor Engpässen und steigenden Preisen: "In der Summe würde die deutsche Fischindustrie und damit auch die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten unwiderruflich Schaden nehmen", schrieben sie in ihrem Dossier "Droht eine Fischstäbchenkrise?" bereits Anfang März.

Zwar könnte ein Teil der fehlenden Mengen durch andere Fischarten ersetzt werden, etwa durch Pangasius aus Aquakulturen. Ein vollständiger Ersatz sei jedoch weder bei der verfügbaren Menge noch beim Preis möglich. Die USA produzieren zwar ebenso große Mengen Alaska-Seelachs, diese Ware ist laut Experten aber bereits langfristig vertraglich gebunden.

Die EU plant, die Importmengen zunächst auf den Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 zu begrenzen. Nach einem Jahr sollen nur noch 75 Prozent der bisherigen Mengen erlaubt sein, nach zwei Jahren lediglich 50 Prozent. Auch ein komplettes Importverbot für russischen Kabeljau ab 2028 soll kommen. Bach Angaben von EU-Diplomaten soll das 21. Sanktionspaket spätestens im Juli beschlossen werden.

Die großen Hersteller wie Iglo oder Frosta halten sich zu den Plänen vorerst bedeckt. Die deutsche Bundesregierung prüft derzeit gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft die möglichen Auswirkungen der neuen Maßnahmen. Kommt das Sanktionspaket wie kolportiert, könnte der nächste Preisschock im Supermarkt ausgerechnet bei Fischstäbchen und Schlemmerfilets landen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.06.2026, 14:54
Jetzt E-Paper lesen