Deine Smartwatch weiß mehr über dich, als du glaubst. Sie kennt deine Schlafphasen, deine Bewegungsmuster und wo du dich aufhältst. Vernetzte Autos protokollieren, wie du bremst und beschleunigst. Smart-Home-Geräte wissen, wann du zu Hause bist. Zusammengeführt ergeben diese Daten ein erschreckend genaues Bild deines Lebens.
Die gute Nachricht: Seit dem 12. September gelten in der EU neue Regeln, die dir die Kontrolle über diese Daten zurückholen. Der sogenannte EU Data Act verpflichtet Hersteller dazu, offenzulegen, welche Informationen ihre Geräte sammeln – und dir den Zugriff darauf zu ermöglichen.
Wie "Chip" berichtet, ist vielen Nutzern gar nicht bewusst, wie umfangreich die Datensammlung ihrer Geräte wirklich ist. Ein häufiger Irrtum: Die Daten bleiben auf dem Gerät. Tatsächlich sind viele Anwendungen dauerhaft mit der Hersteller-Cloud verbunden.
Ein weiterer Trugschluss: Die Daten werden automatisch anonymisiert. In der Praxis lassen sich selbst scheinbar anonyme Bewegungsdaten oft wieder einzelnen Personen zuordnen.
Dass das keine theoretische Gefahr ist, zeigen konkrete Fälle: 2017 veröffentlichte ein Fitness-Tracker-Anbieter eine weltweite Heatmap mit Nutzerdaten. Weil auch Soldaten die App nutzten, wurden plötzlich geheime Militärstützpunkte sichtbar. Bei vernetzten Autos eines großen amerikanischen Herstellers wurden Fahrdaten an Analysefirmen weitergeleitet – Betroffene berichteten von höheren Versicherungsprämien.
Der neue Datenzugang hat praktischen Nutzen: Du kannst die Daten deines Autos einer freien Werkstatt zur Verfügung stellen, was günstigere Reparaturen ermöglicht. Gesundheitsdaten von Wearables lassen sich exportieren und einem Arzt bereitstellen. Im Smart Home helfen Verbrauchsdaten, den Energiebedarf besser einzuschätzen. Auch gegenüber Versicherungen kannst du Risikobewertungen mit eigenen Daten anzweifeln.
Nimm dir bei der Einrichtung neuer Geräte bewusst Zeit und bestätige Berechtigungen nicht ungelesen. Prüfe in den Einstellungen, welche Datenarten erfasst werden – Standortfreigabe oder Sprachaufzeichnung lassen sich oft abschalten. Bei elektronischen Türschlössern ist eine mechanische Rückfalloption sinnvoll. Installiere Firmware-Updates regelmäßig. Und nutze starke, einzigartige Passwörter mit Zwei-Faktor-Authentifizierung.