Für viele Kinder in Niederösterreich zählen zum Fußball neben dem Kicken auch Freundschaften, Teamgeist und der Traum, mit der eigenen Mannschaft am Platz zu stehen und gegen eine andere zu gewinnen. Doch genau das ist für einige Nachwuchskicker jetzt nicht mehr möglich.
Der Grund ist das schrittweise Aus der Spätgeborenen-Regel in Niederösterreich. Bisher konnten Kinder, die nach dem 1. September geboren wurden, unter bestimmten Voraussetzungen in einer jüngeren Mannschaft spielen, wo eigentlich der Stichtag 1. Jänner gilt. Nun wird diese Möglichkeit in den Altersklassen U13 bis U15 Schritt für Schritt abgeschafft.
Der SC Alland (Bezirk Baden) ist von der Abschaffung der Spätgeborenen-Regel stark betroffen, berichtet Jugendleiter Georg Leonhartsberger im "Heute"-Gespräch.
Drei Kinder im Verein seien in den letzten Monaten des Jahres 2013 geboren und zählten damit zu den Spätgeborenen. "Sie können jetzt nur mehr trainieren, aber nicht mehr bei echten Spielen teilnehmen", ärgert sich Leonhartsberger.
Besonders bitter: Eines der Kinder soll vor einem Jahr zum SC Alland gekommen sein, weil der Mitgliedsbeitrag dort deutlich niedriger ist als in anderen Orten. Ein anderes Kind sei aus einem anderen Land geflüchtet und habe beim SC Alland Anschluss gefunden. Dort durften die Kinder im Kompromiss mit anderen Vereinen bisher an Spielen teilnehmen.
Ein Wechsel zu einem anderen Verein ist laut Leonhartsberger keine echte Möglichkeit. "Das eine Kind kann sich die Mitgliedschaft woanders nicht leisten. Das andere Kind kann nicht zu einem anderen Verein wechseln, weil es keinen Bus in den nächsten Ort gibt", sagt der Jugendleiter.
"Wir kämpfen jetzt schon händeringend darum, dass wir genug Kinder finden, um eine Mannschaft stellen zu können", sagt Leonhartsberger. Eine U14 und U15 gebe es in Alland bereits nicht mehr, weil der Verein zu klein sei.
Auch beim USC Mank ist die Aufregung groß. Jugendtrainer Thomas Konencny sagt zu "Heute": "Bei uns sind zehn Kinder vom Wegfall der Spätgeborenen-Regel betroffen." Ohne diese Spieler gebe es im Jahrgang 2014 zu wenige Kinder für eine Mannschaft.
Ähnlich drastisch schildert Patrick Schörghofer die Folgen in seinem Fußballverein, er ist Nachwuchsleiter beim SC Pfaffenschlag. Er berichtet, dass sein Team schon früher wegen drei spätgeborener Spieler vor schwierigen Entscheidungen stand. Weil sie nicht spielberechtigt gewesen wären, musste die Mannschaft einen größeren Sprung machen.
Ein Spieler habe ganz aufgehört. Die anderen beiden hätten immer mehr Motivation verloren. "Die Kinder fragen uns: Warum sollen wir trainieren, wenn wir nicht an Bewerben teilnehmen dürfen?", so Schörghofer.
Für ihn geht es nicht nur um Minuten am Platz. Bei echten Matches würden Kinder Eigenschaften lernen, die im Training so nicht vorkommen: Zweikampfverhalten, Umgang mit Druck, Spannung halten, Leistung bringen, Verständnis für die Gegenseite.
Der Niederösterreichische Fußballverband (NÖFV) verteidigt die Entscheidung auf "Heute"-Anfrage. Der Beschluss sei schon im Jahr 2025 intensiv diskutiert worden. Im November 2025 habe der Vorstand des NÖFV-Jugendreferats dann einstimmig beschlossen, die bisherige Regelung in den Altersklassen U13 bis U15 schrittweise auslaufen zu lassen.
Manche Spieler seien nicht gezielt gefördert, sondern durch Einsätze in mehreren Jahrgängen überfordert worden, heißt es. Außerdem habe es durch körperlich und technisch stärkere spätgeborene Spieler "deutliche Wettbewerbsvorteile und Wettbewerbsverzerrungen" gegeben.
Dass jedes Bundesland andere Regeln hat, erklärt der NÖFV mit der Zuständigkeit der Landesverbände. Gleichzeitig hält der Verband einheitliche Vorgaben grundsätzlich für wünschenswert. Künftig soll aber stärker auf die tatsächliche körperliche Entwicklung eines Kindes geschaut werden, nicht nur auf ein Geburtsdatum.