Schon erste Infizierte

Neue Gefahr für Menschen – hier gibt es Rattenhepatitis

Menschen mit Rattenhepatitis: Das kannte man bisher nur aus Hongkong, Nordamerika, Spanien und Frankreich. Nun gehört auch Deutschland dazu.
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15.11.2025, 18:36
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2018 wurde der erste Fall von Rattenhepatitis beim Menschen in Hongkong entdeckt. Der Mann hatte sich mit der Rattenvariante des Hepatitis-E-Virus (Rocahepevirus ratti oder ratHEV) infiziert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Fachleute davon ausgegangen, dass dieser Virenstamm nicht auf Menschen übertragen werden kann. Knapp zwei Monate später wurde ein weiterer Fall bekannt, ebenfalls in Hongkong. Seither gab es immer wieder Berichte von Einzelfällen. Etwa in Spanien, Frankreich und Nordamerika.

Nun berichten Forschende um Victor Max Corman von der Charité Berlin: Die Rattenhepatitis hat auch Deutschland erreicht. Das Virus (siehe Box) wurde bei einem Mann aus dem Raum Berlin nachgewiesen.

Rattenvariante erst seit 2010 bekannt

Der Erreger wurde erstmals im Jahr 2010 von einer Arbeitsgruppe um Reimar Johne, Leiter der Fachgruppe Viren in Lebensmitteln am deutschen Bundesamt für Risikobewertung (BfR), in wild lebenden Wanderratten nachgewiesen. Während Fachleute zunächst annahmen, dass dieses Virus ausschliesslich Ratten befällt, ist heute klar, dass es auch in anderen Tieren vorkommen kann.

Hepatitis-Symptome von Berliner wurden erst fehlinterpretiert

Die Infektion des Mannes wurde im Rahmen einer Studie entdeckt. Für diese hatte das Team um Corman zwischen 2022 und 2024 Proben von mehr als 1000 Personen analysiert. Der betroffene Mann habe zum Zeitpunkt des Nachweises Anzeichen einer Hepatitis gehabt, vor allem erhöhte Leberwerte, heißt es im "Journal of Hepatology". Diese waren zuvor als "Chemotherapie-bedingte Toxizität" interpretiert worden.

Erst ein PCR-Test entlarvte den wahren Auslöser, so das Team. Rund sechs Wochen später seien die Werte wieder im Normalbereich gewesen. Bei einer erneuten Testung auf Ratten-Hepatitis-Viren ein Jahr später sei das Ergebnis negativ gewesen. Der Patient sei zum Zeitpunkt der Diagnose "in den Fünfzigern" und immungeschwächt gewesen. Eine HEV-spezifische Therapie habe er nicht erhalten. Der Mann erholte sich von allein.

Unklar, wo und wie der Mann sich angesteckt hat

Der bei ihm identifizierte Virenstamm der Rattenvariante zeigt laut den Forschenden eine enge Verwandtschaft mit solchen, die in wild lebenden Ratten in Berlin nachgewiesen wurden. Laut dem BfR ist unklar, ob der Patient zu Ratten oder deren Ausscheidungen Kontakt hatte oder das Virus über die Nahrung aufgenommen wurde. "Das ist Gegenstand der aktuellen Forschung." Normale Hepatitis-E-Viren werden in erster Linie beim Verzehr von nicht ausreichend erhitzten Fleischprodukten von Schweinen und Wildtieren übertragen.

Welche Gefahr geht von der Rattenhepatitis aus?

Das ist noch unklar. "Die Untersuchungsergebnisse legen allerdings nahe, dass Ratten-HEV als neuer zoonotischer Krankheitserreger in Deutschland und Mitteleuropa in Betracht gezogen werden muss", so Johne. Als Zoonose werden Infektionskrankheiten bezeichnet, die von Tieren auf den Menschen und umgekehrt vom Menschen auf Tiere übertragbar sind. So wie unter anderem die Vogelgrippe und Covid-19.

Die vielen Formen der Hepatitis

Von den fünf bedeutendsten Virustypen A, B, C, D und E verursachen allein die letztgenannten Hepatitis-E-Viren (HEV) weltweit jährlich geschätzt 20 Millionen Infektionen beim Menschen.

Symptome: So äußert sich die Rattenhepatitis

Alle Hepatitis-Viren (siehe Box) können eine Entzündung der Leber verursachen. Viele Infektionen mit der klassischen Hepatitis E verlaufen mild und ohne Symptome, erklärt das Robert-Koch-Institut. Oft ähneln sie einer Grippe. Die Infektion bei dem Deutschen äußerte sich vor allem über die Leberwerte. Beim zweiten Fall in Hongkong waren es Unterleibsschmerzen, Appetitverlust, Gewichtsabnahme und Kopfschmerzen. Personen mit gesundem Immunsystem brauchen in der Regel keine spezielle Therapie.

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