Mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, doch bisher ohne Erfolg: Die neue Lehre zur Fachkraft für vegetarische und vegane Kulinarik kommt in Tirol nicht in Schwung. Weder Betriebe noch Lehrlinge haben sich bislang dafür gefunden.
Seit Juli des vergangenen Jahres gibt es in Österreich erstmals die Möglichkeit, sich speziell für vegetarische und vegane Küche ausbilden zu lassen. Doch die Zahlen bleiben überschaubar: Österreichweit absolvieren derzeit nur elf Personen diese Ausbildung. Die meisten davon sind in Wien, weitere in der Steiermark und in Kärnten. In Tirol hingegen steht die Zahl weiterhin auf null.
Dabei sollte die neue Lehre gleich mehrere Probleme lösen: Sie sollte den Beruf attraktiver machen und gleichzeitig auf veränderte Essgewohnheiten reagieren. Denn vegetarische und vegane Gerichte werden auch im Tourismus immer gefragter. Trotzdem bleibt das Interesse im Westen Österreichs bislang aus. Auch das WIFI bestätigt, dass sich bisher weder Interessierte noch Ausbildungsbetriebe gemeldet haben.
Für die Wirtschaftskammer ist das nicht überraschend. Spartenobmann Alois Rainer verweist im ORF auf regionale Unterschiede: "Je größer die Stadt, umso unterschiedlicher natürlich auch die Bedürfnisse der Menschen, die in dieser Stadt leben. In Wien hat man sicher eine größere Basis für solche Berufsausbildungen."
Die neue Ausbildung sei bewusst als Versuchsmodell gestartet. Ob sie sich langfristig durchsetzt, ist daher noch offen.
Ganz anders sieht es bei der klassischen Kochlehre aus: Allein in Tirol befinden sich derzeit 338 Jugendliche in Ausbildung. Viele entscheiden sich weiterhin für den traditionellen Weg und spezialisieren sich erst später, etwa auf vegetarische oder vegane Küche.
Ein weiteres Problem: Der Kochberuf insgesamt hat an Attraktivität verloren. Auch das könnte erklären, warum neue Ausbildungsangebote nur zögerlich angenommen werden. Der vegetarische und vegane Haubenkoch Peter Fankhauser sieht die Ursache vor allem im Image des Berufs: "Wir haben in Tirol viele Betriebe, die Lehrlinge suchen. Aber der Beruf ist insgesamt für junge Menschen weniger attraktiv geworden."
Trotz des schwachen Starts bleibt er optimistisch: Die Nachfrage nach vegetarischer Küche wachse weiter – und damit langfristig auch die Bedeutung der neuen Lehre.