Eine Sekunde mehr oder weniger? Was für die meisten Menschen völlig belanglos klingt, beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Denn die Erde dreht sich nicht immer gleich schnell. Deshalb musste die Weltzeit bisher regelmäßig korrigiert werden.
Doch damit soll bald Schluss sein. Nach mehr als einem halben Jahrhundert steht die Schaltsekunde vor dem Aus. Die Abschaffung ist für den 20. Mai 2027 vorgesehen.
Seit 1972 wird die koordinierte Weltzeit mithilfe sogenannter Schaltsekunden an die Erdrotation angepasst.
Der Grund: Die Drehung unseres Planeten verläuft nicht völlig gleichmäßig. Wenn die Erde etwas langsamer rotiert, entsteht mit der Zeit eine Abweichung zwischen der astronomischen Zeit und der hochpräzisen Zeitmessung durch Atomuhren.
Um diese Unterschiede auszugleichen, wurde bisher insgesamt 27 Mal eine zusätzliche Sekunde eingefügt.
In den vergangenen Jahren hat sich die Erdrotation allerdings beschleunigt. Dadurch könnte erstmals eine negative Schaltsekunde notwendig werden. Statt einer zusätzlichen Sekunde müsste dann eine Sekunde gestrichen werden.
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) will die bisherigen Schaltsekunden abschaffen.
Laut den vorliegenden Informationen war eine endgültige Bestätigung für den 15. Oktober im französischen Versailles vorgesehen. Als Termin für die Abschaffung wird der 20. Mai 2027 genannt.
Damit würde eine Praxis enden, die seit 1972 insgesamt 27 Zeitkorrekturen notwendig gemacht hat.
Während Menschen eine zusätzliche Sekunde kaum wahrnehmen, kann sie für technische Systeme Schwierigkeiten verursachen. Besonders Computerprogramme, die auf eine exakte Zeitmessung angewiesen sind, können durch solche Korrekturen gestört werden.
Eine negative Schaltsekunde gilt als besonders schwierig, weil dabei erstmals eine Sekunde aus der Weltzeit entfernt werden müsste. Mit dem Ende der regelmäßigen Anpassungen soll die Zeitmessung künftig einfacher werden.
Nach den beschriebenen Plänen soll die koordinierte Weltzeit künftig deutlich stärker von der astronomischen Zeit abweichen dürfen. Bis zu 3.600 Sekunden, also eine volle Stunde, sollen möglich sein.
Dadurch könnten weitere Korrekturen für mehrere Jahrhunderte vermieden werden.
Im Alltag würde sich durch die Abschaffung vorerst praktisch nichts ändern. Schon jetzt entspricht die Uhrzeit nicht überall exakt dem Sonnenstand. Das liegt unter anderem an den großen Zeitzonen und an der Sommerzeit.
Die geplante Änderung betrifft daher vor allem Bereiche, in denen besonders präzise Zeitangaben benötigt werden. Dazu zählen etwa die Astronomie und die Geodäsie, also die Wissenschaft von der Vermessung der Erde.
Für alle anderen gilt: Die Uhren laufen ganz normal weiter. Nur die gelegentliche Extrasekunde könnte bald endgültig Geschichte sein.