Die Schaltsekunde steht vor dem Aus. Ab Mai 2027 soll die zusätzliche Zeitkorrektur Geschichte sein. Für Österreichs Bevölkerung bedeutet das allerdings nicht, dass künftig die Uhren nicht mehr umgestellt werden. Die Abschaffung betrifft die internationale Zeitmessung, nicht den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit.
Seit 1972 wurden insgesamt 27 Schaltsekunden eingefügt. Sie gleichen den Unterschied zwischen der Weltzeit, die auf Atomuhren basiert, und der tatsächlichen Erdrotation aus. Denn die Erde dreht sich nicht immer exakt gleich schnell. Während Atomuhren eine sehr gleichmäßige Zeit liefern, schwankt die Rotationsgeschwindigkeit unseres Planeten geringfügig.
Für den Alltag ist eine zusätzliche Sekunde kaum spürbar. Bei Computersystemen kann sie jedoch Schwierigkeiten verursachen.
Technische Systeme müssen die Zeitkorrektur verarbeiten, obwohl nicht alle Geräte und Programme damit gleich umgehen. Das kann unter anderem bei Telekommunikation, Energieversorgung und anderen digitalen Infrastrukturen problematisch werden.
Hinzu kommt eine ungewöhnliche Entwicklung: Weil sich die Erdrotation zuletzt zeitweise beschleunigt hat, könnte erstmals eine Sekunde abgezogen werden müssen. Eine solche negative Schaltsekunde wurde bisher noch nie umgesetzt. Die internationale Fachwelt will deshalb auf die bisherige Korrektur verzichten.
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht soll am 15. Oktober in Versailles die endgültige Entscheidung treffen. Als Termin für die Abschaffung ist der 20. Mai 2027 vorgesehen. Künftig soll die koordinierte Weltzeit größere Abweichungen von der astronomischen Zeit zulassen, statt laufend einzelne Sekunden einzufügen oder abzuziehen.
Für die meisten Menschen dürfte die Änderung zunächst keine merkbaren Folgen haben. Betroffen sind vor allem Fachbereiche, die auf besonders präzise astronomische Zeitangaben angewiesen sind, etwa Astronomie und Geodäsie. Die zweimal jährliche Zeitumstellung in Österreich ist eine davon getrennte Regelung und bleibt vorerst bestehen.