Der neue starke Mann bei Austria Wien ist noch gar nicht offiziell im Amt, da schlägt ihm bereits offener Widerstand entgegen. Mit einem unmissverständlichen Spruchband machten violette Fans klar, was sie von der jüngsten Personalentscheidung halten und von jenen Kräften, die im Hintergrund weiterhin die Fäden ziehen.
"Wer Austria Wien nicht ehrt, erntet unseren Zorn!" stand auf dem Transparent, das gegenüber der Geschäftsstelle angebracht wurde. Der Satz spielte nicht nur auf den Machtkampf rund um die Klubführung an, sondern auch auf den Namen des neuen Geschäftsführers selbst. Noch während einer entscheidenden Aufsichtsratssitzung wurde das Banner von Klub-Mitarbeitern entfernt.
Update um 12:50 Uhr: Austria stellt Zorn offiziell vor
Die Wiener Austria hat in einer Aussendung die Bestellung von Tomas Zorn als Sportvorstand auch offiziell bestätigt. Dazu sprechen Zorn und Präsident Kurt Gollowitzer über den Schritt.
Präsident Kurt Gollowitzer: "Die Investorengruppe verfügt gemäß dem bestehenden Syndikatsvertrag über das Vorschlagsrecht für den Sportvorstand der FK Austria Wien AG. Nachdem Tomas Zorn offiziell vorgeschlagen wurde, hat sich der Aufsichtsrat intensiv mit der Personalie beschäftigt und ist nach einem Hearing zu dem Entschluss gekommen, dass Tomas Zorn fachlich für diese Position sehr gut geeignet ist. Aufgrund dessen wurde er einstimmig von allen Vertretern des Aufsichtsrats als neuer Sport-Vorstand bestellt. Im Sinne der Austria war es für mich ausschlaggebend, dass er sich mit der Sportstrategie des Klubs voll identifizieren kann und gemeinsam mit der bestehenden Sportdirektion den Grundstein für eine positive Zukunft von Austria Wien legen möchte."
Sportvorstand Tomas Zorn: "Austria Wien ist eine äußerst attraktive Aufgabe. Der Klub zeichnet sich durch eine hervorragende Akademie und Nachwuchsarbeit aus, hat große Tradition und eine leidenschaftliche Fangemeinde. Die Strategie des Klubs, mit Kernelementen wie der richtigen Kader-Balance, einer stringenten Transferpolitik sowie der Förderung von jungen Spielern, bildet eine starke Basis, um die Austria im Verbund mit dem bestehenden Team nachhaltig weiterzuentwickeln. Der Schlüssel ist, dass sich alle Entscheidungen an einer klar definierten sportlichen Identität orientieren und wir unserer gemeinsamen Linie konsequent treu bleiben. In einem ersten Schritt freue ich mich jetzt darauf, alle Bereiche des Klubs kennenzulernen, von der Sportdirektion, über das Trainerteam, den Spielern und Spielerinnen, bis hin zu allen Mitarbeitern, um mir einen umfassenden Gesamteindruck zu verschaffen."
Denn mit Tomas Zorn (39) beginnt bei der Austria ein neues Kapitel, das von alten Konflikten überschattet ist. Zorn folgt auf Jürgen Werner, der nach wachsendem Druck zu Saisonbeginn als Sportboss zurückgetreten war. Ganz weg war Investor Werner danach aber nicht: Vertraglich abgesichert durfte er einen Nachfolger vorschlagen.
Diesen ersten Vorschlag hätte der Klub noch ablehnen können – beim zweiten wäre er dazu verpflichtet gewesen, ihn anzunehmen. Die Austria entschied sich, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Zorn wurde im Aufsichtsrat einstimmig bestätigt, obwohl der Klub dort mit 5:4 knapp die Mehrheit gegenüber der "WTF" hält. Die Viola Invest, die Ansammlung der Austria-Geldgeber, hält 49,9 Prozent an den Violetten. Werners WTF-Gruppe hält 40 Prozent an der Viola Invest.
Seit Monaten schwelt hinter den Kulissen ein Machtkampf: Die Austria will die "WTF"-Anteile an der AG zurückkaufen, die volle Kontrolle zurückholen. Doch die finanziellen Sorgen des Klubs sind bekannt – woher die Millionen für einen Rückkauf kommen sollen, ist offen. Die Personalie Zorn wurde daher auch als Signal gelesen, die ohnehin heiklen Gespräche nicht weiter zu gefährden.
Der neue Geschäftsführer bringt internationale Erfahrung mit, war früher Spielervermittler und arbeitete unter anderem bei Spartak Moskau und Lok Moskau in vergleichbaren Funktionen. Zuletzt absolvierte der Jurist ein FIFA-Diplom im Club Management. Was sein Amtsantritt für die erst kürzlich neu aufgestellte Sportdirektion bedeutet, ist jedoch noch unklar.
Die Austria startet nicht mit Euphorie, sondern mit Zorn in diese neue Phase.