Droht dem Ski-Sport der nächste große Umbruch? Der internationale Skiverband FIS plant ab 2032 eine zusätzliche Weltmeisterschaft. Doch Präsident Alexander Ospelt bringt jetzt eine brisante Idee ins Spiel: Bei den Titelkämpfen könnten künftig Rennen gestrichen werden. Besonders die Team-Kombination steht zur Diskussion.
Eigentlich will die FIS ihren WM-Kalender ausweiten. Schon 2028 sollte eine zusätzliche Weltmeisterschaft stattfinden, und damit die Lücke in einer Saison ohne Olympia und die alle zwei Jahre stattfindenden WM ausfüllen. Andorra sollte schon in eineinhalb Jahren die Zusatz-WM austragen. Doch Widerstand regte sich – von den Athleten, von den Verbänden, auch Medienverträge waren zum Problem geworden. Deshalb strich die FIS die Idee. Ab 2032 soll es einen neuen Anlauf geben. Als mögliche Gastgeber nennt Ospelt Japan, China und Südkorea. Also Orte, die üblicherweise nicht im Ski-Kalender vertreten sind.
Gleichzeitig denkt der FIS-Boss über eine radikale Verkürzung der Weltmeisterschaften nach. Statt bisher 14 Tagen könnten die Titelkämpfe nur noch neun Tage dauern. Im "Podcast am Pistenrand" des Schweizer Fernsehens stellt der neue Präsident Ospelt eine grundsätzliche Frage: "Ob man so viele Rennen bei einer WM will."
Dabei nimmt er auch die erst kürzlich eingeführte Team-Kombination ins Visier. "Es gibt Team-Kombi-Weltmeister, die auch Weltmeister sind. Gleichwertig wie ein Abfahrtsweltmeister. Das ist eine Diskussion", erklärt Ospelt, der erst vor einigen Wochen den ungeliebten Johan Eliasch an der Spitze des Ski-Weltverbands abgelöst hatte. Damit stellt er die Frage, ob tatsächlich jede Disziplin denselben Stellenwert bei einer WM haben sollte. Eine Entscheidung über die Abschaffung einzelner Bewerbe gibt es allerdings noch nicht. Klar ist: Wird die WM tatsächlich verkürzt, würden sich alle aktuellen Bewerbe nicht ausgehen.
Der Hintergrund ist auch wirtschaftlicher Natur. Die FIS will mit zusätzlichen Weltmeisterschaften neue Einnahmen erschließen. Gleichzeitig sind Rennen unter der Woche für Veranstalter oft weniger lukrativ. "Die anderen Tage sind meistens sowieso Verlusttage für die Veranstalter", argumentiert Ospelt. Die klassischen Disziplinen könnten bei einer Kurz-WM auf zwei Wochenenden verteilt werden.
Den Plan einer zusätzlichen WM sehen viele kritisch, warnen vor einer Entwertung der Titelkämpfe. Andere brachten derweil eine Aufwertung der Team-Kombination ins Spiel. Diese könnte man auch mehrmals im Weltcup bestreiten. Klar ist: Sollte sie aus dem WM-Programm fliegen, ist das Olympia-Aus der Disziplin wohl ebenso besiegelt. Und damit wäre die Team-Kombination ebenso gestorben.