Ein Pflaster, so groß wie ein Post-it, wird einfach auf den Oberarm geklebt. Feine Nadeln stechen dabei in die Haut, nehmen eine kleine Menge Blut ab und leiten es ins Innere des Pflasters. Dort wird das Blut automatisch dosiert, durch winzige Kanäle geführt und analysiert. Nach kurzer Zeit zeigt das Pflaster das Ergebnis an: "Positiv" oder "Negativ".
Was bisher nur mit aufwendiger Labortechnik und geschultem Personal möglich war, könnte in Zukunft viel einfacher gehen. Mit einem Pflaster zur schnellen und zuverlässigen Diagnose von hochinfektiösen Krankheiten – direkt vor Ort, egal wo auf der Welt. Wie futurezone.at berichtet, könnte damit die medizinische Versorgung einen großen Schritt nach vorne machen.
Von HIV bis Ebola reicht die Bandbreite der Krankheiten, die mit dem neuen Test erkannt werden sollen. Daran arbeitet aktuell ein internationales Forschungsteam, bei dem auch steirische Einrichtungen wie Joanneum Research, die Montanuniversität Leoben und das Polymer Competence Center Leoben mitmischen. Im Projekt FORTIFIEDx, das von der KU Leuven koordiniert wird, bringen die Forscher ihr Wissen aus Mikrofluidik, moderner Fertigung und medizinischer Diagnostik zusammen.
Ziel ist eine neue Generation von mobilen Schnelltests, mit denen verschiedene Krankheiten gleichzeitig erkannt werden können. Konkret geht es um sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV und Syphilis sowie um durch Viren ausgelöste Krankheiten wie Ebola und Lassa. "Das Projekt wird von der EU gefördert, weil manche dieser Krankheiten, die grundsätzlich eher im Süden vorkommen, durch die Klimaerwärmung potenziell zu uns in den Norden wandern könnten und man gut darauf vorbereitet sein möchte", erklärt die Projektleiterin Anja Haase vom Joanneum Research gegenüber futurezone.at.
Das Besondere an diesem Mikrofluidik-Pflaster: Es kann direkt bei Patientinnen und Patienten eingesetzt werden – ganz ohne Labor, Strom oder teure Geräte. Im Unterschied zu klassischen Bluttests muss das Blut nicht ins Labor geschickt werden, wo das Ergebnis erst nach 3 oder 4 Tagen vorliegt. "Im Hinblick auf Afrika besteht aber das Problem, dass Labore zentral liegen. Ziel ist es, dass Testungen dezentralisiert werden und sie auch eine Krankenschwester im Ort machen kann", sagt Haase.
„Das Projekt wird von der EU gefördert, weil manche dieser Krankheiten, die grundsätzlich eher im Süden vorkommen, durch die Klimaerwärmung potenziell zu uns in den Norden wandern könnten.“
Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig solche mobilen Tests sind. Das Projekt schließt eine wichtige Lücke in der Versorgung, stärkt die europäische Forschung und achtet auch auf die Umwelt. Das Praktische: Alles Nötige ist im Teststreifen integriert, das medizinische Personal kommt gar nicht mit dem Blut in Berührung.
Das Projekt läuft noch 2 Jahre. Im letzten Jahr sind Tests in Afrika geplant. Theoretisch könnten Betroffene den Teststreifen auch selbst ablesen. "Grundsätzlich sind die Tests aber für Gesundheitseinrichtungen und Hausärzte auch in kleineren Orten gedacht", so Haase. Einsatzmöglichkeiten gibt es sowohl im medizinischen Alltag als auch in Krisensituationen oder in Gegenden ohne Labore.