Bei einer Operation am Gehirn zählt jeder Millimeter. In Innsbruck soll dabei künftig noch mehr Technik unterstützen: Das neue System "NIO" arbeitet mit KI-gestützter Bildgebung und kann Tumorgewebe während des Eingriffs genauer darstellen.
Für die Patient bedeutet das einen entscheidenden Vorteil: Die Ärzte können besser erkennen, wo der Tumor beginnt und endet – und dadurch möglichst viel krankes Gewebe entfernen, ohne gesundes Gehirngewebe unnötig zu beschädigen. "NIO erlaubt es uns, mittels Laser Art und Ausdehnung eines Tumors präzise darzustellen, sodass wir millimetergenau operieren können", erklärt Neurochirurg Christian Freyschlag.
Die NIO-Bildgebung ist dabei nur ein Teil der neuen Technik. Zusätzlich setzen die Experten auf die Nanopore-Sequenzierung. Mit dem kleinen, mobilen Gerät wird die DNA des Tumorgewebes analysiert. Gemeinsam sollen die beiden Verfahren deutlich schneller Klarheit darüber schaffen, mit welchem Tumor die Ärzte es zu tun haben.
"Mit den neuen KI-gestützten Analysemethoden der NIO-Bildgebung und Nanopore-Sequenzierung wird die Wartezeit auf eine Diagnose für Patient von zwei bis drei Wochen auf wenige Stunden bis Minuten verkürzt. So können viel früher die Weichen für die geeignete Therapie gestellt werden", berichtet die Leiterin des Instituts für Neuropathologie, Adelheid Wöhrer.
Besonders wichtig ist dabei das Timing: Die Ergebnisse der Analyse können noch während der laufenden Operation vorliegen. "Zudem bekommen wir durch die Nanopore-Sequenzierung noch während einer laufenden Operation die Diagnose, um welchen Tumor es sich handelt. So können wir gegebenenfalls interoperativ unsere Strategie und die Behandlung anpassen. Das ist ein wesentlicher Schritt, um die Patient in der Neurochirurgie noch weiter zu erhöhen", sagt Freyschlag.
Auch klassische Schnellschnitte während der Operation sollen dadurch deutlich seltener notwendig sein. "Es sind kaum noch intraoperative Schnellschnitte notwendig, was ein enormer zusätzlicher Vorteil ist, und ergänzt dabei die Nanopore-Sequenzierung synergistisch", erklärt der Neurochirurg.
Hinter dem Projekt steht eine Kooperation zwischen dem Institut für Neuropathologie der Medizinischen Universität Innsbruck und den tirol kliniken. Nach dem ersten Jahr wurde die Zusammenarbeit positiv evaluiert.
"An diesen technischen Fortschritten wird derzeit intensiv geforscht und die Mitarbeiter der tirol kliniken unterstützen aktiv die Translation in die Routineanwendung, um die Patient möglichst rasch von den Innovationen profitieren zu lassen", sagt Rektor Gert Mayer.
Auch die tirol kliniken sehen Innsbruck bei dieser Technologie weit vorne. "Neben den tirol kliniken gibt es in Österreich mit Wien derzeit nur einen weiteren Standort, der in Bezug auf die Neurochirurgie mit dem neuesten Stand dieser technischen Möglichkeiten ausgestattet ist", sagt Medizinischer Geschäftsführer Thomas Klestil.
Für Wöhrer ist die Entwicklung damit noch nicht abgeschlossen: "Der Bereich der Neuropathologie ist sehr forschungsintensiv, und bedeutende wissenschaftliche Innovationen können für die Patient unmittelbar genutzt werden. Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren weitere Innovationen in diesem Bereich sehen werden."