"In Wien, OÖ, NÖ, Steiermark"

Neues Virus erstmals in Österreich nachgewiesen

Genetische Analysen von Zeckenproben zeigen, dass sich der Erreger bereits vor mindestens 20 Jahren in Mitteleuropa etabliert hat. Die Details.
André Wilding
09.06.2026, 09:05
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Forscher des Zentrums für Virologie der MedUni Wien haben erstmals das Vorkommen des Alongshan-Virus in Österreich nachgewiesen. In ihrer aktuell im Top-Journal The Lancet Microbe publizierten Studie zeigen sie anhand genetischer Analysen von Zeckenproben, dass sich das Virus bereits vor mindestens 20 Jahren in Mitteleuropa etabliert hat.

Virus seit 20 Jahren in Zecken

Für die Studie analysierte das Forschungsteam rund 3000 im Jahr 2024 in Österreich gesammelte Zecken, 2000 archivierte Zeckenproben aus den Jahren 2005 bis 2018 sowie rund 2.000 Blutproben von Patienten mithilfe molekularbiologischer und serologischer Methoden. Die Ergebnisse zeigen, dass das Alongshan-Virus (ALSV) bereits seit mindestens 20 Jahren in heimischen Zecken zirkuliert.

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"Die Ergebnisse belegen eine weite geografische Verbreitung des ALSV in Österreich, mit Nachweisen in Wien, Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark und Vorarlberg" sagt Judith Aberle, Professorin für Virusimmunologie am Zentrum für Virologie der MedUni Wien und Leiterin der Studie.

Zwar konnte das Virus in keiner der untersuchten Proben von Patient:innen nachgewiesen werden, jedoch wurden bei zwei Personen hohe ALSV-spezifische Antikörperspiegel festgestellt. "Das zeigt, dass es bereits zu Infektionen gekommen ist, auch wenn diese offenbar selten sind", so Aberle.

Virus mit hohem Forschungsbedarf

Zeckenübertragene Viruserkrankungen nehmen weltweit zu und stellen ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar. Bekannte Erreger wie das FSME-Virus oder das Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus führen jährlich zu mehreren Zehntausend Infektionen weltweit. In den vergangenen Jahren wurden zudem mehrere neue Zeckenviren identifiziert, darunter das Alongshan-Virus, das 2017 erstmals in China bei Patient:innen mit fieberhaften Erkrankungen entdeckt wurde.

Hinweise auf sein Vorkommen gibt es inzwischen in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Finnland, Frankreich und die Schweiz – und jetzt auch Österreich.

Fieber und FSME-ähnliche Symptome

Während die ursprünglich in China beschriebene Variante mit Fieber und FSME-ähnlichen Symptomen in Zusammenhang gebracht wird, ist bisher unklar, ob die in Europa zirkulierenden Virusvarianten beim Menschen überhaupt Erkrankungen auslösen, so Aberle.

Weitere, großangelegte Studien sind nötig, um die gesundheitliche Relevanz und die Verbreitung des ALSV zu klären. Angesichts der anhaltenden Zirkulation in heimischen Zeckenpopulationen sollte das Alongshan-Virus in Überwachungsprogramme für von Zecken übertragene Erreger und in die diagnostische Abklärung von Erkrankungen nach Zeckenstich einbezogen werden.

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