Nach 16 Stunden Verhandlung

Neugeborenes getötet – Mutter (18) schuldig gesprochen

Nach dem Fund eines toten Babys in Nickelsdorf fiel das Urteil: Die Mutter muss in Haft, vier Angehörige wurden im Prozess freigesprochen.
23.10.2026, 09:20
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Es war ein Fall, der im Jänner für Entsetzen sorgte: Am 18. Jänner 2026 wurde ein totes Neugeborenes hinter einer Trafostation am Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland gefunden. Nun ist der Prozess gegen die damals 17-jährige Mutter und vier ihrer Angehörigen zu Ende gegangen.

Die Geschworenen sprachen die mittlerweile 18-Jährige am Donnerstag mit acht zu null Stimmen schuldig. Sie wurde wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Schwester, der Schwager, der Bruder und die Mutter der jungen Frau wurden hingegen mit jeweils acht zu null Stimmen freigesprochen. Sie waren wegen Beteiligung an einem Mord angeklagt gewesen.

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Neugeborenes soll gewürgt und erschlagen worden sein

Laut Anklage soll die junge Frau das Mädchen nach der Geburt gewürgt und erschlagen haben. Eine Obduktion ergab, dass das Baby lebensfähig war und nach der Geburt zumindest einige Minuten gelebt hatte. Als Todesursache wurde ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt.

Dass die vier Angehörigen von der Tat gewusst und der jungen Frau geholfen hatten, indem sie aufpassten und Spuren beseitigten, konnte ihnen nicht nachgewiesen werden. Alle fünf Angeklagten hatten sich vor Gericht nicht schuldig bekannt.

Familie erklärte Blut mit Regelblutung

Auf die Spur der rumänischen Familie kamen die Ermittler durch Überwachungskameras am Parkplatz. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die fünf Angeklagten am 17. Jänner mit einem Kleinbus auf ihrer Fahrt von Rumänien nach Deutschland am Rastplatz stehen blieben.

Kurz nach 22.00 Uhr stieg die damals 17-Jährige mit einer Tasche aus und ging in Richtung der Trafostation, hinter der das tote Baby am nächsten Tag gefunden wurde. Die anderen Familienmitglieder waren währenddessen im Bereich des Autos unterwegs. Unter anderem entsorgten sie eine blutige Matratze. Vor Gericht erklärten sie, sie seien davon ausgegangen, dass die junge Frau wegen ihrer Periode blute. Von der Schwangerschaft habe sie ihnen nichts erzählt.

Mutter ging von Totgeburt aus

Auch die 18-Jährige sagte aus, sie habe das Kind allein im Auto zur Welt gebracht. Die anderen hätten nichts davon mitbekommen. Sie sei von einer Totgeburt ausgegangen. Die schweren Kopfverletzungen erklärte sie damit, dass ihr das tote Kind beim Ablegen aus der Hand gerutscht sei.

Ein medizinischer Sachverständiger hielt dagegen fest, dass ein bloßer Sturz für das Verletzungsbild nicht ausreiche. Vielmehr lege dieses nahe, dass das Kind gegen einen harten Gegenstand geschlagen worden sei.

Eine psychiatrische Sachverständige hielt es für durchaus glaubhaft, dass die junge Frau ihre Schwangerschaft verleugnet und verdrängt hatte. Sie soll zuvor auch sexuell missbraucht worden sein.

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Rettungseinsatz vor dem Urteil

Die Verhandlung dauerte am Donnerstag rund 16 Stunden und ging bis weit nach Mitternacht. Noch vor der Urteilsverkündung brach die 22-jährige Zweitangeklagte nach den Schlussplädoyers zusammen und musste von Sanitätern behandelt werden. Bei der Verkündung der Urteile war sie wieder anwesend.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Auf den Videoaufnahmen ist außerdem ein älterer Mann zu sehen, der ebenfalls im Kleinbus saß. Er konnte bisher nicht ausgeforscht werden.

red, 23.10.2026, 09:20
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