Dem Neusiedler See fehlt eine Menge Wasser. Nach einem heißen und niederschlagsarmen Sommer ist der Pegel inzwischen nur noch wenige Zentimeter von einem historischen Tief entfernt.
Am Mittwoch lag der Wasserstand bei 114,93 Metern über der Adria. Damit fehlen gerade einmal vier Zentimeter auf den niedrigsten Wert, der seit 1965 gemessen wurde. Diesen hatte der See 2022 erreicht. Die kommenden Monate sind entscheidend.
Christian Sailer, Leiter des Hauptreferats Wasserwirtschaft im Amt der burgenländischen Landesregierung, hofft laut ORF auf ausreichend Niederschlag im Winter. Dieser wäre nicht nur für den See wichtig, sondern vor allem für die Neubildung des Grundwassers in der gesamten Region.
Aktuell geht Sailer davon aus, dass sich der Wasserstand ungefähr auf dem niedrigen Niveau von 2022 einpendeln könnte. Die Entwicklung verlaufe derzeit ähnlich. Damals erholte sich der See erst im darauffolgenden Frühjahr 2023 wieder vom Tiefststand.
Immerhin sorgt der Herbst für etwas Entlastung: Trotz der derzeit sehr milden Temperaturen verdunstet weniger Wasser als während eines heißen Sommertages. Grund dafür ist die deutliche Abkühlung während der Nacht.
Die niedrigen Wasserstände machen sich im Alltag bemerkbar. Durch Windverfrachtungen kam es zuletzt etwa in Breitenbrunn zu Einschränkungen beim Fährverkehr.
Langfristig bleibt die Wasserversorgung des Neusiedler Sees ein großes Thema. Eine mögliche Zuleitung von Wasser aus der Donau wird weiterhin diskutiert.
2024 schlossen Niederösterreich, das Burgenland und der Bund eine Grundsatzvereinbarung zur Sicherung der Wasserressourcen in der Ostregion. Die Gespräche dazu laufen derzeit auf Expertenebene.
Für die Tierwelt spielt der niedrige Wasserstand ebenso eine wichtige Rolle. Für Zugvögel, die auf ihrem Weg Richtung Süden im Seewinkel Pause machen, ist die derzeitige Situation laut Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner noch nicht besorgniserregend. Die für viele Vögel interessanten Sodalacken seien im Herbst ohnehin meist trocken.
Problematisch könnte es allerdings werden, wenn auch im Winter ausreichend Niederschlag ausbleibt und sich die Lacken nicht wieder mit Wasser füllen. Eine solche Situation gab es 2022 und 2023. Dann ziehen die Vögel laut Ehrenfeldner weiter und brüten auch nicht in der Region.
Die ersten Kraniche der Saison haben bereits vor rund zwei Wochen im Seewinkel Rast gemacht. Mit dem großen Kranichzug wird Mitte Oktober gerechnet.