Wegen wirrem Iran-Vorgehen

"Niemand will das" – Öl-Konzerne sauer auf Trump

Der Krieg gegen Iran erschüttert Energiemärkte. Trotz gestiegener Ölpreise gibt es bei den Mineralölkonzernen keine Jubelstimmung. Im Gegenteil.
Newsdesk Heute
25.03.2026, 20:53
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Der US-israelische Krieg gegen den Iran sorgt für massive Verunsicherung im globalen Energiesektor. Führende Manager und Analysten sprechen am Rande der Branchenkonferenz "CERAWeek" in Texas von einer Krise historischen Ausmaßes.

Raffinerien, Gasfelder und Exportanlagen in der Golfregion wurden beschädigt oder zerstört. Die wichtige Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung fließen, war de facto blockiert. Erst seit einigen Tagen lässt der Iran einige Tanker passieren – offenbar gegen Zahlung eines Millionen-Schutzgelds.

Die Folgen sind gravierend: Lieferengpässe, explodierende Preise und große Unsicherheit an den Märkten. Zu spüren bekommen das auch die Österreicher direkt an den Zapfsäulen.

Anders als zu Beginn des Ukraine-Kriegs gibt es dieses Mal allerdings keine koordinierte Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Viele Mineralölkonzerne fühlen sich im Stich gelassen und wissen nicht, wie sie auf die wirre US-Politik reagieren sollen.

"Der schlimmste Albtraum"

"So etwas haben wir noch nie erlebt – eine Störung dieses Ausmaßes gab es in der Vergangenheit noch nie", klagt Gareth Ramsay, Chefökonom des Öl- und Gasriesen BP, gegenüber "Politico". "Das ist das Studienobjekt oder der schlimmste Albtraum eines jeden Ölanalysten – etwas, von dem wir nie gedacht hätten, dass es jemals passieren würde."

Energiemarkt-Analyst Paul Sankey spricht vom "Dritten Golfkrieg": "Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe. Wie soll man all dieses Gas, all dieses Öl und Helium ersetzen? Die Liste lässt sich fortsetzen".

Die Krise erzeugt auch innenpolitischen Druck in den USA: Die hohen Spritpreise sorgen für Unmut in der Bevölkerung. Donald Trumps Zustimmungswerte sind in der Reuters-Umfrage von Dienstag auf einen Tiefstand von 36 Prozent gefallen. Hält sich diese Stimmung bis zu den Zwischenwahlen könnten die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verlieren.

"Niemand will diese extreme Volatilität"

Auch für die Konzerne selbst ist die Lage heikel. Zwar steigen die Gewinne durch höhere Preise, doch die Risiken überwiegen: Investitionen werden zurückgehalten, neue Förderungen bleiben aus. Ölhändler müssten anhand von Trumps Ankündigungen auf Social Media rasche Entscheidungen treffen, nur um kurz darauf eine völlige Kehrtwende desselben zu erleben, beklagen die Betroffenen. Ramsay: "Niemand will diese extreme Volatilität".

Trotz aller Lippenbekenntnisse aus dem Weißen Haus glaubt in der Branche niemand, dass die Trump-Regierung den Iran-Krieg schnell beenden kann. Das Einzige, was bisher fix erscheint: Der Krieg dürfte die Energiepolitik weltweit langfristig verändern.

Die Mineralöl-Konzerne müssen voraussichtlich Milliarden in den Wiederaufbau ihrer Infrastruktur im Nahen Osten abstellen. Gleichzeitig könnten Staaten verstärkt auf die Erschließung eigener Lagerstätten setzen, um unabhängiger zu werden.

Andere werden dagegen ihre eigenen strategischen Reserven deutlich aufstocken. "Es wird zu Hamsterkäufen kommen, und diesmal wird es nicht nur Toilettenpapier sein", so die Prognose von Brian Falik, Chief Investment Officer beim Rohstoffhandelsunternehmen Mercuria, zum Kraftstoffmarkt.

Er sieht durch die wohl anhaltende Öl-Teuerung auch eine "zweite Chance" für erneuerbare Energien.

{title && {title} } red, {title && {title} } 25.03.2026, 20:53
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