Die US-Armee und die arabischen Nachbarstaaten mussten bei den iranischen Gegenschlägen bereits "empfindliche Treffer" einstecken. Mindestens 17 Mal wurden US-Basen am Persischen Golf gezielt angegriffen, dabei hochwertige Radar- und Satellitenkommunikationssysteme beschädigt oder zerstört.
"Ohne Hilfe wäre dem Iran das nicht gelungen", sagt Oberst Markus Reisner zu n-tv. Die dafür nötigen Aufklärungsdaten kämen aus Russland und China. "Es ist im Prinzip das Gleiche, was die USA seit Jahren für die Ukraine tun."
Einem "Politico"-Bericht zufolge soll der Kreml nun dem Weißen Haus angeboten haben, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an den Iran einzustellen, sollten die Amerikaner dasselbe in der Ukraine tun. Der österreichische Kriegsbeobachter hält das für plausibel: "Sie können davon ausgehen, dass im Hintergrund entsprechende Verhandlungen laufen."
Donald Trumps Administration soll dieser Idee (noch) ablehnend gegenüberstehen. Das könnte sich aber ändern, wenn der Iran-Krieg auch zur innenpolitischen Katastrophe für den MAGA-Anführer zu werden droht. "Die USA sind so massiv unter Druck, dass sie zu einem solchen Deal bereit sein dürften", fürchtet Reisner.
Der selbst ernannte "Friedenspräsident" macht immer wieder Wolodymyr Selenskyj für das Scheitern der Gespräche verantwortlich, obwohl die Ukrainer zu zahlreichen Zugeständnissen bereit sind, die russische Seite aber keinen Millimeter von ihren maximalistischen Forderungen abgerückt ist. "Das deutet darauf, dass auf dem Rücken der Ukraine ein Deal geschlossen werden könnte."
Die Trump-Regierung habe offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der Iran derart zurückschlagen und so widerstandsfähig sein würde. "Man hat gedacht, auch auf Basis von Versicherungen der israelischen Regierung, dass die Bombardierungen nach wenigen Tagen einen Volksaufstand auslösen", analysiert der Bundesheer-Oberst.
Solange der Iran die Straße von Hormus und damit die weltweiten Ölmärkte in Geiselhaft hält, könnten sich die USA nicht einfach zurückziehen. Wenn dann auch noch die Mullah-verbündeten Huthis im Jemen in wichtigen Meerenge Bab al-Mandab zuschlagen, wäre das Chaos perfekt. Das würde den Schiffsverkehr über den Suez-Kanal zum Erliegen bringen und den Druck auf Washington noch "drastisch" erhöhen.
"Dann entstehen Versorgungsengpässe, die kritisch für die Weltwirtschaft wären und die auch Trump in eine prekäre Situation bringen würden", warnt Reisner. Er rechnet vor: Die Schiffe, die jetzt noch unterwegs sind, werden in zehn Tagen ihre Zielhäfen erreichen, die strategischen Rohölreserven reichen laut Internationaler Energie-Agentur IEA für 90 bis 250 Tage.
"Noch kritischer ist es bei Flüssiggas und Düngemitteln. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass es im Hintergrund zu einem Deal mit den Russen, unter Umständen auch mit den Chinesen, kommt."
Der Stand der aktuellen Verhandlungen zum Kriegsende in der Ukraine ist unklar. Aus Russland hieß es zum Beginn der Iran-Angriffe, dass diese ausgesetzt seien. Sie scheinen aber weiterzulaufen, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff bezeichnete diese als "konstruktiv" – eine leere Floskel, wenn man ukrainischen Insider-Berichten glaubt. Was für alle offensichtlich ist: Das Kernproblem ist nach wie vor ungelöst.
Anstatt auf Kriegstreiber Wladimir Putin üben die USA weiter Druck auf Selenskyj aus, die eigenen Truppen aus der Region Donezk abzuziehen. Das würde den Russen den gesamten Festungsgürtel dort auf dem Silbertablett reichen.
"Es sitzen quasi drei Parteien bei den Treffen, aber die Ukraine verhandelt ständig mit diesem 'Geist von Anchorage'. Egal, worüber gesprochen wird, am Ende sagen die Amerikaner immer so etwas wie: 'Raus aus dem Donbass, und wir bauen euch ein Paradies, wie wir es in Alaska vereinbart haben'", gibt ein Mitglied von Selenskyjs Team der "Ukrajinska Prawda" anonym Einblick in die Verhandlungen. "Es dreht sich alles im Kreis".
Aus ukrainischer Sicht waren die USA spätestens nach dem Trump-Putin-Treffen in Alaska kein Verbündeter mehr, geschweige denn ein neutraler Vermittler.
Auch Reisner sieht das so: "Selenskyj hat signalisiert, was die Ukraine tun kann: Er will die Front einfrieren und kein weiteres Gebiet hergeben. Die Russen wollen aber weiterhin den gesamten Donbass und sind überzeugt, dies militärisch zu schaffen – egal, wie hoch die Verluste sein werden."
Wieso die Ukraine diese Forderung nicht akzeptieren kann, beschreibt die "Ukrajinska Prawda" eindrücklich: "Es ist unmöglich, den Kommandeuren der ukrainischen Streitkräfte, die derzeit die strategisch wichtigen Höhenzüge in der Region Donezk kontrollieren, zu erklären, dass die Verteidigung in den offenen Steppen hinter diesen Höhenzügen einfacher oder gewinnbringender wäre." Und ohne Sicherheitsgarantien würde nichts die Russen abhalten, dies bei einem neuen Überfall auszunutzen.
Dagegen sei eindeutig, was Russland geschenkt würde: "Putin versteht, dass er, wenn wir uns zurückziehen, je nach Art und Dauer der Offensivoperationen im Donbass zwischen 300.000 und einer Million seiner Soldaten behalten wird. Warum sollten wir ihm das plötzlich glauben und ihm solche Geschenke machen?", hatte es Präsident Selenskyj selbst in einem Interview mit dem italienischen RAI auf den Punkt gebracht.
Auch Reisner glaubt nicht mehr an eine schnelle Lösung des Konflikts: "Ich war überzeugt, dass die Chance auf einen Friedensschluss in den letzten Monaten so groß war wie nie zuvor. Durch den Iran-Krieg haben die USA den Russen und den Chinesen ein absolutes Geschenk gemacht." Die Rückschläge für die Amerikaner im Nahen Osten würden dem Kreml signalisieren, dass er seinen eigenen Krieg in die Länge ziehen kann.
Ein Abwenden der USA könnte für Kyjiw düster enden, obwohl es sich auf dem Schlachtfeld langsam die Initiative zurück erkämpft: "Es könnte sogar sein, dass die Ukrainer in einem Moment zähneknirschend nachgeben müssen, wenn sie sich militärisch auf dem Vormarsch befinden. Es wäre nicht das erste Mal in der Kriegsgeschichte, dass so etwas passiert."
Und: Auch die Führung in Peking reibe sich zufrieden die Hände über die amerikanischen Rückschläge und scheinbare Planlosigkeit im Nahen Osten. "Allein die Menge an Waffensystemen, welche die USA im Iran verbraucht haben, ist sehr im Sinne der Chinesen." Sollten sie wirklich Taiwan überfallen wollen, würden diese Waffen den Amerikanern dann fehlen. "Es wird Jahre dauern, das alles neu zu beschaffen. Und der Krieg ist noch immer in voller Fahrt", schließt Reisner.