Studenten sind praktisch Dauernutzer von Nikotinbeuteln. Das zeigt eine neue Untersuchung der Universität Graz gemeinsam mit der Fachstelle für Suchtprävention Vivid. Fast jeder vierte befragte Student greift regelmäßig zu "Nic-Bags".
Für die Studie wurden 623 Studierende an fünf steirischen Universitäten befragt. Rund 23 Prozent gaben an, regelmäßig Nikotinbeutel zu konsumieren. 17,7 Prozent verwenden sie sogar täglich.
"Die Umfrage-Ergebnisse zeigen, wie weitverbreitet Nikotinbeutel sind", sagt Soziologin Beate Klösch vom "Center for Social Research" der Uni Graz der Kleinen Zeitung.
Nikotinbeutel sind kleine Säckchen, die zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt werden. Sie enthalten Nikotin, aber keinen Tabak.
Besonders auffällig: Tägliche Nutzer konsumieren oft große Mengen. Jeweils rund 40 Prozent verwenden zwischen sechs und zehn beziehungsweise zwischen elf und 20 Beutel – und das jeden Tag.
"Dass Nutzer tagtäglich eine gesamte Dose leeren, sei keine Seltenheit", sagt Klösch der Kleinen Zeitung.
Rund zwei Drittel der Konsumenten verwenden ausschließlich Nikotinbeutel. Andere Nikotinprodukte wie Zigaretten oder E-Zigaretten kommen meist nur beim Fortgehen oder in Gesellschaft zum Einsatz.
Ein Grund für die Beliebtheit: Nikotinbeutel können nahezu überall verwendet werden.
"Im Gegensatz zu Zigaretten gibt es kaum Einschränkungen, wann bzw. wo konsumiert wird. Im Zug, im Hörsaal oder in einem Lokal darf ich nicht rauchen, aber Nikotinbeutel kann ich in all diesen Alltagssituationen nutzen", erklärt Klösch.
Viele greifen laut Studie außerdem zu den Beuteln, um Stress zu bewältigen oder ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu steigern.
Auffällig ist auch, dass viele ihren Konsum geheim halten. Zwei Drittel der aktuellen Nutzer gaben an, Nikotinbeutel vor bestimmten Personen zu verbergen. Am häufigsten werden dabei die eigenen Eltern genannt.
"Es geht um die Angst vor Vorverurteilung, auch wollen die jungen Menschen nicht, dass sich die Eltern Sorgen machen", sagt Klösch.
Laut der Studie wissen die meisten Konsumenten zwar, dass Nikotinbeutel ein hohes Abhängigkeitspotenzial haben. Gleichzeitig schätzen sie das Gesundheitsrisiko niedriger ein als bei Zigaretten oder E-Zigaretten.
Ein möglicher Grund: Für Nikotinbeutel gelten derzeit keine gesetzlichen Einschränkungen bei Werbung und Sponsoring. Dadurch würden sie als Lifestyleprodukt vermarktet, obwohl sie ein Vielfaches der Nikotinmenge einer Zigarette enthalten können.
Klösch warnt in der Kleinen Zeitung: "Nikotin ist und bleibt ein Nervengift, das schädliche Auswirkungen auf unser Nervensystem haben kann."