Kaffee, Aperitivo und Spritz: Erst vor rund zwei Monaten hat Vehbi Esmek seine Bar Sorso im Nordbahnviertel eröffnet. Doch statt unbeschwertem Lokalbetrieb beschäftigt den 43-Jährigen eine Einbruchserie. Bereits dreimal versuchten bislang unbekannte Täter, in seine Bar einzudringen – zweimal mit Erfolg.
200 Euro Wechselgeld erbeuteten die Täter, dazu kommen eingeschlagene Fenster und eine beschädigte Tür. Den Sachschaden schätzt Esmek auf 5.000 bis 6.000 Euro. "Tagsüber ist es eine schöne Gegend, doch abends ändert sich das", schildert der Lokalbesitzer die Situation.
Mit seiner Sorge um die Sicherheit im Grätzl ist Esmek nicht allein. Entlang der Bruno-Marek-Allee häufen sich die Einbrüche. Mitte Oktober gerieten in drei Nächten mehrere Geschäftslokale ins Visier von Einbrechern. Die Spuren sind immer noch sichtbar.
Allein in der Nacht auf Sonntag (11. Oktober) wurden in dem Gebiet sechs Einbrüche in Geschäftslokale angezeigt. Das bestätigt auch die Polizei. Das Vorgehen ähnelt sich: Türen werden beschädigt oder aufgebrochen, anschließend greifen die Täter in die Kassen. Das berichten mehrere Betroffene gegenüber "Heute".
Auch das Bond Pilates Studio blieb nicht verschont. Unbekannte versuchten, in das Studio einzudringen. "Sie haben die Türe beschädigt, aber es nicht durch das Panzerglas geschafft", erzählt Geschäftsführerin Simge Kurt. Nun überlegt sie, mit Überwachungskameras nachzurüsten.
Auch Rudolf Wrany sucht nach Möglichkeiten, seine Vinothek besser abzusichern. Kürzlich brachen Unbekannte ein, beschädigten die Tür und stahlen 250 Euro Wechselgeld. Wrany vermutet, dass die Täter die Gegend tagsüber auskundschaften. Im Tee-Shop Ichiban Tea schlugen Einbrecher die Tür ein und erbeuteten 550 Euro aus der Kassa. Eine Überwachungskamera zeichnete die beiden Täter auf.
Die Einbrüche sorgen für Nervosität, Panikmache wollen die Geschäftsleute aber vermeiden. "Ich glaube nach wie vor, dass wir ein sicheres Viertel sind. Wir fühlen uns nicht bedroht, aber die Einbrüche sind ein Phänomen, das in einigen Grätzeln gastiert. Ich halte die Einbrüche für ein Symptom eines viel größeren Problems, nämlich, dass Jugendlichen die Perspektive fehlt", sagt Michael Knoll, Obmann des Vereins Einkaufsstraße Bruno-Marek-Allee. Er betreibt das Fahrradgeschäft Starbike, das bislang von Einbrüchen verschont blieb.
Auch die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand davon aus, dass Jugendliche hinter den Taten stecken könnten. Sie dürften in wechselnden Konstellationen agieren. "Seit 1. August 2026 kann nach derzeitigem Stand grob von rund einem Dutzend vollendeten bzw. versuchten Einbrüchen ausgegangen werden. Die Ermittlungen und Auswertungen sind derzeit noch im Gange, weshalb aktuell keine abschließende Zahl genannt werden kann", erklärt die Wiener Polizei.
Als Reaktion auf die Häufung der Vorfälle wird der Bereich verstärkt bestreift. "Zudem werden die Ermittlungen seitens des Landeskriminalamts Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, hinsichtlich der Einbrüche intensiv fortgeführt", heißt es von der Polizei.
Für die Geschäftsleute bleibt die Sicherheitsfrage ein zentrales Thema. Vergangene Woche lud die Wirtschaftskammer zu einem Sicherheitstreffen. Dabei wurden mögliche Schutzmaßnahmen diskutiert, darunter Nebelanlagen, die Einbrechern das Ausräumen der Geschäfte erschweren sollen. Zudem wird laut Wirtschaftskammer eine verstärkte Polizeipräsenz – auch in Zivil – angestrebt. Auch der mögliche Einsatz privater Sicherheitskräfte steht im Raum.