Nordkorea hat eigenen Angaben zufolge bei seinen jüngsten Raketentests Streumunition eingesetzt. Die am Sonntag unter der Aufsicht von Machthaber Kim Jong Un ausgeführten Teststarts hätten dazu gedient, "die Eigenschaften und die Sprengkraft der an der taktischen ballistischen Rakete angebrachten Streumunition- und Splitterminen-Sprengköpfe zu testen", berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag. Kim habe sich "sehr zufrieden mit den Testergebnissen" gezeigt.
Laut KCNA wurde bei dem Manöver der Sprengkopf der taktischen Boden-Boden-Rakete vom Typ Hwasongpho-11Ra getestet. Fünf Geschosse seien auf ein Zielgebiet rund um eine etwa 136 Kilometer entfernte Insel abgefeuert worden. Die Raketen trafen demnach ein Gebiet von bis zu 13 Hektar mit "sehr hoher Dichte" und hätten damit "ihre Kampfkraft voll" gezeigt.
Nordkorea hatte in diesem Monat schon mehrfach Waffentests vorgenommen, getestet wurde neben Raketen auch Streumunition. Mitte April beaufsichtigte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einen Test strategischer Marschflugkörper, die von einem Marineschiff abgefeuert wurden. Weder Nordkorea noch Südkorea gehören zu den Unterzeichnern einer 2008 in Oslo verabschiedeten Konvention zum Verbot von Streumunition.
Experten zufolge weist Nordkorea mit den Waffentests Versuche Südkoreas zurück, die angespannten Beziehungen der beiden Nachbarländer wieder zu verbessern. Im Januar hatte die Regierung in Seoul etwa offiziell ihr Bedauern über das Eindringen ziviler Drohnen in den nordkoreanischen Luftraum zum Ausdruck gebracht.
Südkoreas Armee hatte am Sonntag nach eigenen Angaben "mehrere nicht identifizierte ballistische Raketen" entdeckt. Die Raketen seien am Morgen "vom Gebiet Sinpo in Nordkorea in Richtung Ostmeer abgefeuert worden", erklärte der Generalstab unter Verwendung der koreanischen Bezeichnung für das Japanische Meer.
Südkoreas Verteidigungsministerium forderte Pjöngjang nach den neuen Raketentests auf, "seine wiederholten Raketenprovokationen, die die Spannungen verschärfen, unverzüglich einzustellen". Stattdessen solle sich Nordkorea "aktiv an den Bemühungen der südkoreanischen Regierung um die Herstellung des Friedens beteiligen". Das Präsidialamt in Seoul berief wegen der Raketenstarts eine Krisensitzung ein.
Das kommunistisch regierte Nordkorea ist international weitgehend isoliert. Wegen seines Raketen- und Atomprogramms wurden zahlreiche internationale Sanktionen gegen das Land verhängt.
Nord- und Südkorea sind auch über sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Korea-Kriegs im Jahre 1953 formell weiterhin im Kriegszustand. Die USA haben zehntausende Soldaten in Südkorea stationiert, unter anderem zum Schutz Südkoreas.