Akten aufgetaucht

NSDAP oder Widerstand? Das Rätsel um Gottschalks Vater

War er Nationalsozialist oder heimlicher Gegner des Hitler-Regimes? Neue Dokumente über den Vater von Thomas Gottschalk (76) werfen Fragen auf.
26.10.2026, 16:18
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Die Vergangenheit von Thomas Gottschalks Vater gibt Rätsel auf. Wie die deutsche "Bild" anhand historischer Akten aus Deutschland und Polen enthüllte, gehörte Hans Gottschalk während der NS-Zeit sowohl der NSDAP als auch der SA an.

Doch die Geschichte ist komplizierter, als es seine Parteimitgliedschaft zunächst vermuten lässt. Denn nach Kriegsende bezeichnete sich der Rechtsanwalt selbst als Gegner des Nationalsozialismus. Und er erhielt Unterstützung von Menschen, die unter dem Hitler-Regime verfolgt worden waren.

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Jüdische Verfolgte nahm ihn in Schutz

Besonders bemerkenswert ist die Aussage von Elly Rastetter. Die aus Breslau stammende Frau wurde während der NS-Zeit als Jüdin verfolgt und musste Zwangsarbeit leisten. Ihre Mutter wurde im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

Trotzdem stellte sie Hans Gottschalk am 9. April 1946 eine entlastende Erklärung aus.

Darin bezeichnete sie ihn als Mann, der der nationalsozialistischen Weltanschauung fremd gegenübergestanden habe. Sie war überzeugt, dass er kein nationalsozialistischer Aktivist gewesen sei.

Auch der Widerstandskämpfer Hans Lukaschek, der nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet worden war, setzte sich für Gottschalk ein.

Er erklärte, der Jurist habe versucht, Verfolgte vor Maßnahmen des Regimes zu schützen.

Doch die Nazi-Akte wirft Fragen auf

Demgegenüber steht die historische NSDAP-Mitgliederkarte von Hans Gottschalk. Sie nennt den 1. November 1932 als Eintrittsdatum – also eine Zeit, in der Adolf Hitler noch nicht Reichskanzler war.

Gottschalk selbst schilderte seinen Parteieintritt nach dem Krieg allerdings anders.

Er erklärte, erst im Frühjahr 1933 auf Druck seines Vorgesetzten nachgegeben zu haben. Auch seine Aufnahme in die SA sei ohne seinen Auftrag erfolgt.

Der Politikwissenschaftler und NSDAP-Experte Jürgen Falter erkennt darin mehrere Widersprüche. Vor allem die Mitgliedsnummer und das Eintrittsdatum sprächen für einen früheren Beitritt.

Ob Gottschalks Mitgliedschaft tatsächlich rückdatiert wurde, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Unterlagen nicht abschließend klären.

Er wollte Widerstand geleistet haben

Noch weiter ging Hans Gottschalk in seiner eigenen Darstellung.

Er behauptete, seine Tätigkeit bei der Wehrkreisverwaltung in Breslau genutzt zu haben, um sich gegen das NS-Regime zu stellen.

Wegen seiner Haltung seien ihm später Aufgaben entzogen worden, erklärte er in einem Lebenslauf aus dem Jahr 1946.

Ob sämtliche Angaben zutreffen, ist heute schwer nachzuprüfen. Fest steht jedoch, dass ihm insgesamt 16 entlastende Erklärungen vorlagen.

Die zuständige Spruchkammer stufte ihn im Dezember 1946 dennoch als "Mitläufer" ein. Er musste 500 Reichsmark Sühnegeld bezahlen.

Gottschalk kann seinen Vater nicht mehr fragen

Für Thomas Gottschalk ist die Geschichte auch eine persönliche.

Der spätere TV-Star war erst 14 Jahre alt, als sein Vater 1964 an Krebs starb. Die Gelegenheit, ihn ausführlich nach seiner Vergangenheit zu fragen, hatte er nicht mehr.

In seiner Autobiografie "Herbstblond" beschäftigte sich Gottschalk bereits mit der Frage, welche Rolle sein Vater während der NS-Zeit gespielt hatte.

Seine Mutter habe ihm stets versichert, dass Hans Gottschalk kein Nazi gewesen sei.

Die neuen Unterlagen zeigen nun, dass die Wirklichkeit zumindest widersprüchlicher war.

Eine endgültige Antwort darauf, wie Hans Gottschalk während der NS-Diktatur tatsächlich handelte, liefern sie nicht.

red, 26.10.2026, 16:18