Wien stellt die Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen auf neue Beine. Ziel ist ein "flexibles und transparentes System", wie Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) bei einem Mediengespräch erklärte. Künftig entscheiden Bonuspunkte darüber, wer bei der Vergabe weiter vorne landet.
Mitte Juli fiel der Startschuss für die Registrierung. Wer bereits ein Wiener Wohnticket hatte, konnte ein neues Ticket beantragen und bekam dafür einen "Startbonus". Seit 22. September werden Wohnungen nun erstmals nach der neuen Logik vergeben. Die Stadt, Wiener Wohnen und die Wohnberatung Wien ziehen eine erste Bilanz.
Gemeindewohnungen und geförderte Wohnungen laufen erstmals über ein gemeinsames Wiener Wohn-Ticket. Die bisherigen Zugangskriterien bleiben bestehen – neu ist jedoch das Punktesystem. Je mehr Bonuspunkte, desto weiter vorne landet man bei der Reihung.
Punkte gibt es allerdings nicht einfach auf Zuruf. Wer Bonuspunkte geltend machen will, muss entsprechende Nachweise vorlegen. Bei sensiblen Fällen – etwa bei häuslicher Gewalt – setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wiener Wohnen auf persönliche Gespräche. Dafür stehen speziell geschulte Kräfte zur Verfügung.
Die ersten Erfahrungen zeigen bereits, wie breit die Punktespanne ist. Manche Interessenten kamen auf 82 Punkte – laut Georg Retschitzegger von Wiener Wohnen etwas mehr als der Durchschnitt. Andere erreichten 100 oder sogar 200 Punkte. Und auch mit null Punkten ist man nicht automatisch aus dem Rennen.
Das zeigt ein konkreter Fall: Bereits am zweiten Tag des neuen Vergabesystems wurde eine Dreizimmerwohnung im 1. Bezirk an eine Person mit null Bonuspunkten vergeben.
Auch bei den geförderten Wohnungen wurde an der Vergabe geschraubt. Künftig werden nicht mehr nur die Erstgereihten informiert, sondern gleich die ersten fünf Personen der Reihung. Damit soll verhindert werden, dass Wohnungen ungenutzt bleiben, wenn die erstgereihte Person abspringt. Ziel sei eine höhere Vergabequote, erklärt Maximilian Havelka von der Wohnberatung Wien.
Wie groß das Interesse am neuen System ist, zeigt die erste Bilanz: Seit dem Start der Registrierung im Sommer haben bereits mehr als 38.500 Haushalte ein Konto angelegt. Rund 32.500 Wohnanträge wurden eingebracht, mehr als 13.500 Wiener Wohn-Tickets bereits ausgestellt. Rund 6.000 dieser Tickets gehen auf alte Wiener Wohntickets zurück.
Ganz umgestiegen sind die bisherigen Ticket-Besitzer aber noch nicht: Rund 22.000 Personen stehen noch aus. Der Startbonus kann noch bis Ende des Jahres gesichert werden.
Auch bei der Punktevergabe zeichnet sich bereits ein Muster ab. Mit deutlichem Abstand liegt der Wien-Bonus für Langzeit-Wienerinnen und Wiener an der Spitze. Dahinter folgen Überbelag und Jungwienerinnen und Jungwiener auf den Plätzen zwei und drei.
Eine neue Kategorie sorgt ebenfalls für Aufmerksamkeit: Aus- und Weiterbildung erweist sich bisher als Volltreffer. Sie liegt bereits auf Platz fünf des Punkte-Rankings – noch vor den Alleinerziehenden.
Pro Jahr werden in Wien rund 14.000 Wohnungen vergeben: 10.000 Gemeindewohnungen und 4.000 geförderte Wohnungen. Dem steht eine weit größere Zahl potenzieller Anspruchsberechtigter gegenüber.
Rund 500.000 Haushalte erfüllen derzeit die Grundvoraussetzungen und könnten damit grundsätzlich für eine Gemeindewohnung oder geförderte Wohnung infrage kommen.
Das neue Vergabesystem soll nicht in Stein gemeißelt sein. Die Wohnungsvergabe NEU wird laufend evaluiert und weiterentwickelt. Erste Erfahrungen aus der Praxis sollen dabei zeigen, wo noch nachgeschärft werden muss.
Für Fragen rund um Registrierung, Wiener Wohn-Ticket und Wohnungssuche bleibt die Wohnberatung Wien die zentrale Anlaufstelle. Besonders vulnerable Personengruppen werden bei Registrierung, Wohnungssuche und Vergabe unterstützt.